„Das ist reiner Bullshit“: Pato O’Ward wehrt sich gegen Lundgaard-Aussagen
Pato O’Ward wehrt sich gegen die Aussagen seines Noch-McLaren-Teamkollegen Christian Lundgaard, der behauptet, das Auto werde im Oval nur für den Mexikaner entwickelt
Rennfahrer haben auf einer Strecke teilweise völlig unterschiedliche Vorgehensweisen, weshalb die Setups für jeden Fahrer maßgeschneidert werden müssen. Christian Lundgaard, der McLaren nach der IndyCar-Saison 2026 verlassen wird, poltert, dass auf den Ovalen sein Teamkollege Pato O’Ward bevorzugt wurde. Der streitet diese Vorwürfe aber massiv ab.
„Nun, fürs Erste braucht man Teamkollegen, die dasselbe benötigen“, so Lundgaard. „Meiner Meinung nach werden Scott (Dixon) und Felix (Rosenqvist) in dieser Hinsicht Schwierigkeiten mit Pato haben. Pato fährt eine ganz andere Abstimmung, während meiner Zeit im Team ging die Oval-Performance aus welchem Grund auch immer nur in eine Richtung.“
Das kann O’Ward nicht einfach so stehen lassen. Er sagt: „In der IndyCar ist jeder auf seiner eigenen kleinen Insel. Ich weiß, Christian behauptet liebend gern, dass alles für mich maßgeschneidert wird und das Auto nur in die Richtung entwickelt wird, die ich vorgebe. Aber was er über das Oval-Programm erzählt, dass es nur nach meinen Wünschen laufe, ist reiner Bullshit. Wie man auf Englisch so schön sagt: ‚He is full of shit‘ – es stimmt einfach nicht.“
„Auf den meisten Strecken liegen wir beim Setup völlig entgegengesetzt“, stellt O’Ward klar. „Er entwickelt sein Auto, ich meins – und tatsächlich: Wenn einer in mehreren Rennen stark zu kämpfen hat, wechselt man zum Setup des anderen und kommt besser zurecht.“ Am Ende entscheiden laut dem Mexikaner die nackten Fakten und Ergebnisse darüber, welche Fahrzeugeinstellungen das Team präferiert.
„Ich weiß, dass viele Leute reden und behaupten, alles sei für Pato gemacht“, so O’Ward. „Wie man sieht, habe ich mich das ganze Jahr auf Ovalen schwergetan; die einzigen, die mir gelungen sind, waren die Rennen in Milwaukee, beim Rest hatte ich Probleme. Indy war durchwachsen, aber alle anderen waren im Vergleich zu den Vorjahren furchtbar. Wenn also alles für mich ausgelegt wäre, hätte ich auch alle anderen Ovale gewonnen. Das sind reine Nebelkerzen.“

Doch warum könnte selbst im Team das Gefühl aufflammen, dass O’Ward den Vorzug erhält? In den vergangenen Jahren war der Mexikaner immer der Top-Fahrer des Rennstalls und damit auch die Nummer 1. Doch mit Lundgaard hat O’Ward im Jahr 2026 – insbesondere auf den Rundstrecken – eine starke Konkurrenz erhalten.
„In den vergangenen Jahren war das praktisch ein Automatismus, oder? Ich hatte die Saison immer als bester McLaren-Fahrer beendet“, sagt O’Ward. „Christian hatte ein großartiges Jahr, aber ganz ehrlich: Ob ich Zweiter oder Dritter werde, ist mir wirklich egal. Wenn Christian Zweiter wird und ich Dritter. Ich will so weit vorne wie möglich landen, um mein Vorjahresergebnis einzustellen, aber letztlich nehme ich keinen anderen Fahrer gezielt ins Visier.“
„Ich will Vizemeister werden, weil das das Maximum ist, was wir an diesem Wochenende noch erreichen können“, so die Ziele des Mexikaners. „Ich wusste, dass mir ein sehr starkes Milwaukee-Wochenende diese Chance eröffnen würde, und genau das ist passiert.“
Vor dem IndyCar-Saisonfinale liegt Pato O’Ward auf Platz vier, Lundgaard auf Rang zwei. Da Alex Palou schon vorzeitig Meister ist, ist nur noch der zweite Platz vakant. Lundgaard und O’Ward trennen gerade einmal vier Punkte. Zwischen ihnen liegt noch Andretti-Pilot Kyle Kirkwood. Ein kleines Gedankenspiel: Wäre Dominator Palou nicht da, würde in Laguna Seca der Titel zwischen drei Fahrern entschieden werden, die gerade einmal vier Punkte trennen, Wahnsinn!
Echter Motorsport-Journalismus braucht Meinungsbildung statt vorgefilterter Pressemitteilungen. Leadlap.de bleibt unabhängig, kritisch und frei von Vorgaben – getragen von den Menschen, die unsere Texte lesen. Mit deinem freiwilligen Beitrag sicherst du unabhängige Berichterstattung auf Augenhöhe.
Jetzt Leadlap.de und André Wiegold unterstützen via PayPal
(Hinweis: Freiwilliger Beitrag zur Förderung journalistischer Inhalte, inkl. USt., keine steuerlich absetzbare Spende.)
Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.






Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.