Ein perfektes Wochenende für Bobby Pierce in der World of Outlaws Late Model Series
Einsetzender Regen und harte Duelle stoppten Bobby Pierce auf dem Weg zu zwei Triumphen in der World of Outlaws nicht – Er bezwang seine Rivalen auf dem 141 Speedway sowie in Ogilvie
Es war ein Wochenende nach Maß für Bobby Pierce: Der Pilot aus Illinois sicherte sich nach einem regengekürzten Wochenende den Triumph auf dem 141 Speedway und einen nervenzerreißenden Sieg auf dem Ogilvie Raceway. Damit stand er in der sechsten Woche in Folge an der Spitze der World of Outlaws Dirt Late Model Series.
Regen, Taktik und ein souveräner Sieg auf dem 141 Speedway
Der erste Teil des Rennens auf dem 141 Speedway wurde von einem packenden Duell zwischen Pierce und Drake Troutman geprägt, während sich beide durch den Überrundungsverkehr arbeiteten. Zeitweise setzte sich Troutman Seite an Seite neben Pierce. Doch bevor er ein entscheidendes Manöver fahren konnte, gab der Motor in seinem Wagen mit der Startnummer 22 den Geist auf, was sein Rennen vorzeitig beendete.
Dieses Pech spülte Tyler Erb auf den zweiten Platz, dicht gefolgt von Tristan Chamberlain. Letzterer hatte zuvor sein Heat-Rennen gewonnen und erlebte einen der stärksten Abende seiner bisherigen World-of-Outlaws-Karriere. Beim anschließenden Restart konnte sich Pierce von seinen beiden Verfolgern absetzen. Wenig später setzte jedoch leichter Regen ein, der bei 31 absolvierten Runden zur Unterbrechung durch die Rote Flagge führte.

Während der Zwangspause durften die Teams in die Boxengasse zurückkehren und Reparaturen vornehmen. Dies gab dem restlichen Feld die theoretische Chance, ihre Autos perfekt abzustimmen, um den Wagen mit der Nummer 32 noch abzufangen. In der zweiten Rennhälfte blieben all diese Bemühungen jedoch erfolglos: Pierce fuhr unangefochten seinem ersten Sieg auf dem 141 Speedway entgegen.
„Gegen Ende wurde das Heck meines Wagens wirklich unruhig“, analysierte Pierce im Anschluss an das Rennen. „Ich wollte auf keinen Fall noch eine Gelbphase sehen und bin froh, dass es keine mehr gab.“
Der Sieg war vor allem ein Verdienst seiner Mechaniker: „Ein riesiges Dankeschön an meine Crew für die blitzschnelle Arbeit während der Unterbrechung. Wir mussten den Spoiler reparieren, frische Reifen aufziehen und etwas nachtanken – mehr Zeit hatten wir gar nicht.“

Dass das Rennen trotz des Regens fortgesetzt wurde, rechnete er den Offiziellen hoch an: „Ich danke ihnen, dass wir das Rennen zu Ende fahren konnten. Ich weiß, dass die Fans die vollen 60 Runden sehen wollen. Für mich als Führenden hat es die Situation in dem Moment allerdings ziemlich knifflig gemacht.“
Hinter Pierce kämpfte sich Tim McCreadie auf den zweiten Platz vor und stand damit zum ersten Mal seit seinem Sieg auf dem Selinsgrove Speedway wieder auf dem Podium. Nick Hoffman meldete sich nach einem schwierigen Wochenende in West Virginia mit einem dritten Platz zurück.
Ein packender Thriller auf dem Ogilvie Raceway
Der zweite Sieg an diesem Wochenende fiel Pierce deutlich schwerer. Das erste Rennen der Serie auf dem Ogilvie Raceway seit sieben Jahren entwickelte sich zu einem waschechten Thriller.
Beim Start sicherte sich Jonathan Davenport zunächst die Führung. Direkt dahinter entbrannte jedoch ein wildes Drift-Duell zwischen Pierce und Erb, die permanent die Positionen tauschten. Schließlich entschied Pierce diesen Zweikampf für sich und machte Jagd auf den Führenden.
In der sechsten Runde setzte er vor Kurve 3 zum ersten aggressiven Manöver gegen Davenport an. Dieser konterte direkt und in den nächsten Umläufen wechselte die Führung fast in jeder Kurve.

Ein schlechter Exit aus Kurve 4 kostete Davenport die Spitze für kurze Zeit. Er sammelte sich jedoch schnell, nutzte den Cushion in Kurve 3 und 4 aus und zog in Runde 13 wieder an Pierce vorbei. Erst als nach 18 Runden die gelbe Flagge wegen des langsamer werdenden Troutman fiel, bekamen die Spitzenreiter eine kurze Verschnaufpause.
Davenports Siegeschancen fanden beim darauffolgenden Restart allerdings ein Ende: Er fuhr zu aggressiv in die erste Kurve, schlug in die Mauer ein und riss sich das hintere Seitenblech seines Wagens mit der Nummer 49 ab. Der Schaden war so gravierend, dass er das Rennen sofort aufgeben musste.
Das brachte seinen engen Freund Hoffman unverhofft in den Kampf um den Sieg. Der 34-Jährige nutzte die Gelegenheit perfekt und zog beim Restart sofort davon. Seine Führung war jedoch von kurzer Dauer, denn Pierce und Ryan Gustin hingen ihm bereits dicht am Heck. Zehn Runden vor Schluss setzte Pierce das rennentscheidende Überholmanöver und hielt dem Druck bis zum Schluss stand, um sich seinen zwölften Saisonsieg in der World-of-Outlaws-Saison 2026 zu sichern.

„JD [Jonathan Davenport] und ich haben uns ein Wahnsinnsrennen geliefert“, schwärmte ein sichtlich begeisterter Pierce nach dem Sieg. „Das hat unglaublich viel Spaß gemacht. Der Kampf mit Hoffman und Gustin in den ersten 30 Runden war wahrscheinlich das Rennen des Jahres.“ Der Respekt unter den Fahrern sei groß gewesen: „Ein riesiges Dankeschön an die Jungs, dass sie hart, aber absolut fair gefahren sind. Auch mit ‚Terbo‘ [Tyler Erb] haben wir uns ein paar heftige Slide-Jobs geliefert. Es ist großartig, eine Strecke zu haben, auf der so etwas überhaupt erst möglich ist. Ogilvie war heute Abend so breit – unten, oben, in der Mitte. Diese vielen verschiedenen Linien haben uns das Racing auf der gesamten Bahn erlaubt.“
Hoffman überquerte die Ziellinie direkt hinter seinem Meisterschaftsrivalen auf Platz zwei. Dritter wurde Gustin, der nach über einem Monat sein Comeback auf dem Podium feierte. Erb beendete das Rennen als Vierter, während Trey Mills mit Platz fünf sein bisher bestes Karriereergebnis in der World-of-Outlaws-Serie einstellte.
Der Tross der World of Outlaws Late Model Series bleibt in Minnesota und gastiert bereits am Mittwoch, den 24. Juni 2026, für einen weiteren spektakulären Rennabend auf dem I-94 emr Speedway.
Dir hat dieser Artikel gefallen? Journalismus auf Leadlap.de ist und bleibt dauerhaft werbefrei und für alle ohne Bezahlschranke kostenlos. Damit ich dieses Projekt auch in Zukunft unabhängig und in dieser Tiefe betreiben kann, freue ich mich über deine freiwillige Unterstützung. Jeder Beitrag hilft direkt dabei, die Qualität und Vielfalt meiner Berichterstattung zu sichern.
Jetzt Leadlap.de und André Wiegold unterstützen via PayPal
(Hinweis: Freiwilliger Beitrag zur Förderung journalistischer Inhalte, inkl. USt., keine steuerlich absetzbare Spende.)
Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.





Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.