Spektakuläre Slide-Jobs bei den World of Outlaws: So siegten Erb und Pierce in Cedar Lake

Spektakuläre Slide-Jobs bei den World of Outlaws: So siegten Erb und Pierce in Cedar Lake
Foto: Emily Schwanke / World of Outlaws

Auf dem Cedar Lake Speedway siegten Tyler Erb und Bobby Pierce bei den World of Outlaws USA Nationals – Beide Fahrer bezwangen ihre hartnäckigen Konkurrenten durch spektakuläre Überholmanöver

Zwei packende Rennen der Dirt Late Models sorgten auf dem Cedar Lake Speedway in Wisconsin für staubige Rennabende. Tyler Erb und Bobby Pierce sicherten sich die Trophäen bei den World of Outlaws USA Nationals. Das ursprünglich für Freitag angesetzte Rennen wurde aufgrund von anhaltendem Regen abgesagt.

Tyler Erb, der schon seit 2016 auf dem in New Richmond gelegenen Oval antritt, schaffte es bis dato nicht, seine Erfahrung auf dieser Strecke in einen Sieg umzuwandeln. Sein bestes Ergebnis war ein zweiter Platz im Jahr 2022.

Dies änderte sich für Erb im 30-Runden-Feature-Rennen, doch sein Weg zum Sieg war von Herausforderungen geprägt. Die größte Gefahr ging von Hudson O’Neal aus, der sich vom fünften Startplatz nach vorn kämpfte und zum Restart in Runde 8 auf dem zweiten Platz wieder fand. Als das Rennen wieder freigegeben wurde, setzte sich O’Neal in Kurve 2 kurzzeitig neben Erb. Dieser hatte auf der Außenbahn jedoch genügend Schwung, um sich auf der Gegengeraden direkt wieder abzusetzen.

Damit war O’Neal allerdings noch nicht besiegt: Die Startnummer 71 klebte für den Großteil des Rennens direkt an Erbs Heck. Während sich beide Fahrer in den Kurven 3 und 4 die innere Linie wählten, versuchte O’Neal immer wieder, die Führung an sich zu reißen. 

Beide fuhren tief in die erste Kurve, doch Erb ließ sich in der Kurvenmitte in Richtung der äußeren Streckenbegrenzung treiben. Das öffnete O’Neal die Tür, um auf der Innenbahn zu bleiben und am Ausgang von Kurve 2 einen sogenannten Slide Job zu versuchen. Er fand auf der Innenseite jedoch nicht genug Speed, um vorbeizuziehen, sodass Erb die Führung verteidigen konnte, während die Runden weniger wurden.

Ein letzter Restart in Runde 23 brachte schließlich Brandon Sheppard ins Spiel. Er pflügte über die Außenbahn heran und schnappte sich den zweiten Platz von O’Neal. Sheppard gelang es jedoch nicht mehr, Erb einzuholen, bevor die Zielflagge fiel und er seinen allerersten Sieg auf dem Cedar Lake Speedway feierte.

„Diese Strecke verändert sich so stark“, erklärte Erb nach dem Rennen. „Als ich hinter anderen Autos im verwirbelten Luftstrom fuhr, dachte ich mir: ‚Ich muss irgendwann weiter nach unten, sonst fährt noch jemand an mir vorbei.‘ Ich konnte sehen, wie Hud dort dieses halbe Slide-Manöver gegen mich versuchte. Dann sah ich auf der Anzeigetafel, dass Shepp auf Platz zwei lag, und dachte mir nur: ‚Verdammt noch mal, jetzt geht’s los!‘“

Am Samstag schlug die Stunde von Pierce, der aktuell eine geradezu glorreiche Saison in der Dirt Late Model Series erlebt. Er dominiert die Siegerstatistik momentan wie kein Zweiter. Sollte er nach seinem Triumph auf dem Cedar Lake Speedway noch ein weiteres Rennen gewinnen, würde er den Rekord für die meisten Siege in einer einzigen Saison brechen.

Um mit diesem aktuellen Rekord von 18 Siegen – aufgestellt von Josh Richards (2016) sowie Sheppard (2017 und 2019) – gleichzuziehen, musste der Pilot aus Illinois in dem 100 Runden langen Feature-Rennen jedoch gewaltige Hürden meistern.

Nach einem durchwachsenen Qualifying und einem schwachen Heat Race war Pierce in einem vorherigen Rennen nur auf Platz 12 gelandet – sein schlechtestes Saisonergebnis.

Im Hauptrennen wendete sich jedoch das Blatt. Vom zehnten Startplatz aus kämpfte er sich schnell auf den sechsten Rang vor. Dort hielt er sich für den Großteil einer langen Grünphase, die über die ersten 54 Runden andauerte. Die erste Gelbphase war nur der Auftakt für viele weitere in der zweiten Rennhälfte. Diese Cautions hielten das Feld dicht beisammen und gaben Pierce die Gelegenheit, Position um Position gutzumachen.

In Runde 33 hatte sich Pierce bereits auf den zweiten Platz vorgearbeitet. Beim Fallen der grünen Flagge positionierte er sich direkt an der Außenseite seines engsten Meisterschaftsrivalen, Nick Hoffman. Beim Beschleunigen holte Pierce in Kurve 4 weit aus, nahm genügend Schwung mit, um in Kurve 1 zu einem spektakulären Slide Job anzusetzen.

Im Ausgang von Kurve 2 fand sich Pierce in einem packenden Dreikampf um die Führung wieder. Sheppard setzte in Kurve 3 einen Slide an musste sich aber hinter Pierce wieder einreihen. Von diesem Moment an war Pierce das unangefochten dominierende Auto auf der Strecke und fuhr unaufhaltsam seinem Preisgeld entgegen.

„Ich glaube, wir haben die richtige Entscheidung getroffen“, resümierte Pierce. „Ich muss mich wieder einmal bei meiner Crew bedanken. Die Jungs sind heute früh aufgestanden, haben die Autos umgebaut, entladen, die Stoßdämpfer gewechselt und alles Weitere erledigt. Wir haben hart gearbeitet und das gesamte Setup von Grund auf neu abgestimmt. Jetzt mag ich diese Strecke wieder. Letztes Jahr mochte ich sie nicht besonders, weil ich ständig überrundet wurde, aber jetzt gefällt sie mir wieder.“

Die World of Outlaws Late Model Series startet am kommenden Freitag und Samstag mit dem Hawkeye 100 auf dem Maquoketa Speedway in eine fünf Rennen umfassende Tour durch Iowa.

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.