Hamlin wünscht sich „Feenstaub“: Warum Wallace nach dem großen Lob hart mit sich ins Gericht ging
Beim NASCAR-Rennen auf der Naval Base Coronado kämpfte sich Bubba Wallace nach einem Reifenverlust auf den zweiten Platz vor – Sein Teambesitzer Denny Hamlin lobte die Aufholjagd des Piloten von 23XI Racing während Wallace seine eigene Leistung selbstkritisch bewertete
Nach seinem Erfolg in der NASCAR Truck Series nannte sich Lane Riggs scherzhaft „Lane van Riggsbergen“ – in Anlehnung an Circuit-Ass Shane van Gisbergen –, als er auf der Naval Base Coronado seinen ersten Rundkurs-Sieg feierte. Eine ähnlich beeindruckende Leistung – wenn auch ohne den Ausflug in die Victory-Lane – lieferte Bubba Wallace ab.
Der 32-jährige Pilot von 23XI Racing pflügte förmlich durch das Feld, gab sich am Ende jedoch kämpferisch und nur bedingt zufrieden. Er beendete das Rennen auf Rang zwei hinter seinem Teamkollegen Corey Heim, der mit rund zehn Sekunden Vorsprung auf die Startnummer 23 über die Ziellinie fuhr.
Gemischte Gefühle
Auch wenn sich seine offensichtliche Begeisterung in Grenzen hielt, zeigte sich Wallace als fairer Verlierer: „Mein Gesichtsausdruck und meine Körpersprache zeigen es gerade vielleicht nicht, aber ich freue mich wirklich für Corey [Heim] und Booty [Barker].“ Damit bezog er sich auf Booty Barker, der bis zum Saisonende 2024 sein eigener Crew-Chief war, bevor Charles Denike den Kommandostand übernahm.
„Ihn wieder zurück in der Cup-Serie zu haben und ihm dann einen Sieg zu schenken, ist alles, was wir wollten“, fügte Wallace hinzu. Dennoch mischte sich in die Freude über den Erfolg des Teamkollegen auch spürbare Frustration darüber, dass es für ihn selbst nicht ganz nach oben gereicht hatte.
Im Laufe seiner Karriere hat sich Wallace vor allem als Spezialist für Superspeedways und Drafting-Strecken herauskristalisiert. Dort verzeichnet der Pilot aus Alabama mit 17,3 auch seine beste Durchschnittsplatzierung.
Das genaue Gegenteil stellen für ihn die Rundkurse dar: Auf diesem aktiven Streckentyp wartet Wallace bislang noch auf seinen ersten Sieg und weist seine schlechteste Karrierestatistik auf. Umso bemerkenswerter war die glänzende Aufholjagd, die der 23XI-Pilot in San Diego nach mehreren Rückschlägen hinlegte.

Auf drei Rädern zurück
Bereits im ersten Rennsegment ereilte Wallace ein schwerer Rückschlag, der das Rennen vorzeitig hätte beenden können. Bei einem Boxenstopp kurz vor Ende der ersten Stage gelang es einem seiner Mechaniker nicht, das rechte Vorderrad vollständig zu fixieren – trotz aller verzweifelten Versuche, die Zentralmutter mit dem Schlagschrauber noch rechtzeitig anzuziehen.
Die Folge war verheerend: Zurück auf der Strecke verlor Wallace das Rad und musste auf nur drei Reifen zurück in die Box humpeln. Da ein herrenloses Rad auf der aktiven Piste ein massives Sicherheitsrisiko für alle Beteiligten darstellt, griff die NASCAR hier wie immer hart durch.
Nach dem Wochenende wurden sowohl Mechaniker Adam Hartman als auch Nathan Ricketts, der für den Wagenheber verantwortlich war, für die zwei folgenden Läufe in Sonoma und Chicagoland suspendiert. Das Team mit der Startnummer 23 wurde jedoch bereits im Rennen mit einer Strafe von zwei Runden sanktioniert.
Zwei Runden auf einem Rundkurs aufzuholen, ist eine große Herausforderung – doch an diesem Wochenende war sie für Wallace nicht groß genug. Dank mehrerer Pass-arounds während der Gelbphasen kämpfte er sich in die Führungsrunde zurück. Am Ende stürmte er auf den zweiten Platz nach vorn und sicherte sich damit 35 wichtige Punkte für die Gesamtwertung.
Denny Hamlin: Viel Lob und der Wunsch nach „Feenstaub“
Für diese Willensleistung erntete Wallace höchste Anerkennung von seinem siegreichen Teambesitzer Denny Hamlin in der Pressekonferenz nach dem Rennen.
Allerdings würde sich dieser bei seinem extrem ehrgeizigen Schützling gelegentlich einen kleinen Perspektivwechsel wünschen. „Wenn ich Bubba Wallace mit etwas Feenstaub verzaubern könnte, dann damit, dass er an Tagen glücklicher ist, an denen er allen Grund dazu hat“, erklärte Hamlin.
„Klar hat er nicht gewonnen, aber verdammt nochmal, vor dem Start des Rennens hätte er den zweiten Platz blind unterschrieben und gesagt: ‚Alles klar, damit fahre ich zufrieden nach Hause.‘“
Hamlin betonte weiter: „Er sollte sehr stolz auf den Einsatz sein, den er gezeigt hat. Ich war diese Woche in der Zentrale von 23XI und habe gesehen, wie viel Zeit er im Simulator verbracht hat. Ich denke definitiv, dass dies ein Rennen ist, nach dem man erhobenen Hauptes nach Hause gehen sollte.“
Den gravierenden Rückschlag durch das verlorene Rad stempelte Hamlin als vermeidbaren, aber letztlich menschlichen Fehler ab: „Ja, das Team hätte die Abläufe definitiv besser ausführen müssen, sodass wir kein Rad verlieren. Aber genau diese Art von Problemen zu überwinden – das ist es, was ich sehen will. Kein einziges Rennen verläuft jemals exakt nach Plan.“

Harte Arbeit im Hintergrund und eine nüchterne Bilanz
Auch für Wallace war die Arbeit im Simulator ein entscheidender Faktor für das starke Endergebnis – selbst wenn die virtuelle Welt nicht immer zu hundert Prozent die Realität widerspiegelt.
„Ich ziehe die Ingenieure oft wegen des Simulators auf, wenn wir versuchen, alles perfekt einzustellen“, verriet Wallace. „Aber wir reißen uns wirklich den Arsch auf, um das hinzukriegen. Und auch wenn der Simulator für das gesamte Fahrerfeld ziemlich weit von der Realität entfernt war, habe ich dort enorm viel gelernt.“
Für diese Entwicklung fand Teamboss Hamlin abschließend noch einmal deutliche Worte: „Nicht aufzugeben, zu kämpfen, am Ende den zweiten Platz ins Ziel zu bringen und uns den allerersten Doppelsieg als Team zu bescheren – darauf sind wir unglaublich stolz. Bubba sollte definitiv stolz auf sich selbst und auf die enormen Fortschritte sein, die er auf den Rundkursen gemacht hat.“
Trotz des Zuspruchs von oberster Stelle zog Wallace am Ende eine zwar kraftvolle, aber nüchterne und selbstkritische Bilanz: „Also, ich schätze, es war ein guter Tag, wenn man am Ende Zweiter wird. Aber es ist für mich im Moment einfach noch zu früh, um stolz auf diese Aufholjagd zu sein. Ich weiß, wie sehr ich in der Vergangenheit zu kämpfen hatte und wie hart ich weiter arbeite. Dafür bin ich jedem Einzelnen im Team dankbar. Mein Dank geht auch an alle drüben in unserem Hauptquartier bei Airspeed.“
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Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.





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