IndyCar-Test in Barber: McElrea setzt die Bestmarke, Formel-2-Star Dunne lässt aufhorchen

IndyCar-Test in Barber: McElrea setzt die Bestmarke, Formel-2-Star Dunne lässt aufhorchen
Foto: Penske Entertainment: James Black

Vier Fahrer, zwei Rückkehrer und ein europäischer Überflieger: Beim IndyCar-Herbsttest im Barber Motorsports Park sorgten ECR-Pilot Hunter McElrea und Formel-2-Talent Alex Dunne für die Schlagzeilen – Für Dreyer & Reinbold Racing ging es derweil nach über 13 Jahren erstmals wieder als Vollzeitteam auf einen Rundkurs

Hunter McElrea hat am Montag im Barber Motorsports Park bei einem viertägigen IndyCar-Testtag die Bestzeit gesetzt und damit ein starkes Ausrufezeichen an sein Ed-Carpenter-Racing-Team geschickt. Der Neuseeländer umrundete die anspruchsvolle Naturrennstrecke in Alabama in 1:07,557 Minuten und fing damit Formel-2-Pacesetter Alex Dunne ab, der am Vormittag im Honda von Dale Coyne Racing mit einer Rundenzeit von 1:07,674 Minuten für Aufsehen gesorgt hatte. Dahinter komplettierten Conor Daly bei der Rundkurs-Rückkehr von Dreyer & Reinbold Racing und IndyNXT-Champion Nikita Johnson das vierköpfige Testfeld.

Für McElrea, der aktuell Vollzeit in der IMSA WeatherTech SportsCar Championship antritt, war der Auftritt im ECR-Chevy mehr als nur ein Dienst nach Vorschrift. Der 2024er-Teilzeitstarter drängt mit Nachdruck auf ein permanentes Cockpit im IndyCar-Oberhaus.

„Es war fantastisch“, schwärmte McElrea nach insgesamt 104 Runden. „Mein letzter Test in Sebring lag schon eine Weile zurück, aber es fühlt sich einfach gut an. Barber ist der mit Abstand körperlichste Test. Wir haben viele Punkte abgearbeitet und besonders am Nachmittag gute Veränderungen erzielt. Obwohl die Strecke langsamer wurde, sind wir noch einmal schneller gefahren.“

Der Neuseeländer betonte zugleich, wo seine langfristigen Prioritäten liegen: „Ich liebe es, in ein IndyCar zu steigen. Mein Ziel war immer ein Vollzeitcockpit in dieser Serie. Dass mir ECR regelmäßig diese Chancen gibt und ich auch im Simulator sitze, bedeutet mir enorm viel.“

Die größte Überraschung des Tages lieferte jedoch Alex Dunne. Der 20-jährige Ire, derzeit Gesamtdritter der Formel 2, teilte sich den Coyne-Boliden mit Nikita Johnson und brannte seine starke Zeit bereits in den ersten 55 Vormittagsrunden in den Asphalt. Für Dunne war es die allererste Ausfahrt in einem 2,2-Liter-Biturbo-V6-Biest von Dallara.

„Das Auto, die Strecke, einfach alles – ich habe es geliebt“, bilanzierte Dunne begeistert. „Der Wagen hat spürbar mehr Leistung und deutlich mehr Abtrieb, als ich es gewohnt bin. Auf dieser Strecke fühlt es sich an wie eine Achterbahnfahrt. Es ist noch echter Old-School-Motorsport ohne riesige Auslaufzonen.“

Dunne macht kein Geheimnis daraus, dass er seinen Karrierefokus allmählich von Europa über den Atlantik verlagert. Zwar bleibe die Formel 1 immer das ursprüngliche Fernziel jedes Nachwuchsfahrers, doch man müsse den Tatsachen ins Auge sehen.

„Es kommt der Zeitpunkt, an dem diese Formel-1-Chance realistisch betrachtet immer schwieriger wird“, erklärte der Ire offen. „Die nächstbeste Option und das, worauf ich am meisten Lust habe, war für mich schon immer die IndyCar-Serie. Sie steht für harten, ehrlichen Rennsport – genau das, was du dir als Fahrer wünschst.“

Besonders die Stadtkurse haben es dem Formel-2-Piloten angetan, doch auch vor den berüchtigten US-Ovalen schreckt er nicht zurück: „Das kann von außen einfach aussehen, aber im Detail macht der Fahrer auf den Ovalen den Unterschied. Ich mochte schon immer Highspeed-Kurven, und genau das ist ein Oval im Grunde. Wenn ich mich erst einmal daran gewöhnt habe, sollte das gut funktionieren.“

Für Dreyer & Reinbold Racing hatte der Testtag unterdessen historischen Charakter. Ganze 4.901 Tage nach dem letzten Antreten als Vollzeitteam auf einem regulären Rundkurs ging die Mannschaft um Teambesitzer Dennis Reinbold mit Conor Daly auf die Strecke. Unterstützt wurde das Projekt von Rahal Letterman Lanigan Racing im Rahmen einer technischen Allianz.

„Operationell ging es heute vor allem darum, alle Abläufe außerhalb des Indianapolis Motor Speedway wieder in Gang zu bringen“, ordnete Daly ein. „Unsere Jungs waren jahrelang nur auf das Indy 500 fokussiert. Es ging darum, die Abläufe der Road-Crew einzuspielen und die Honda-Systeme kennenzulernen. Wir hatten keinerlei technische Probleme.“

Daly nutzte die 75 Testrunden zudem für eine persönliche Kampfansage. Der US-Amerikaner wehrt sich vehement dagegen, auf seine zweifellos vorhandenen Oval-Qualitäten reduziert zu werden.

„Mein großes Ziel für 2027 ist es, dieses lächerliche Stigma des reinen Oval-Spezialisten ein für alle Mal loszuwerden“, stellte Daly klar. „Ich hasse diesen Stempel. Ich bin von Geburt an Rund- und Stadtkurse gefahren, dort habe ich einige meiner besten IndyCar-Ergebnisse geholt. Wir haben heute hart gearbeitet, und auch die Umstellung vom Chevy- auf den Honda-Motor verlangt fahrerisch eine andere Herangehensweise beim Herausbeschleunigen.“

Dass am Ende Platz drei mit einer Zeit von 1:07,830 Minuten zu Buche stand, trübte Dalys Laune keineswegs – zumal eine noch bessere Runde spektakulär verloren ging: „Ich habe auf meiner schnellsten Runde über der Kuppe von Kurve 13 einen 360-Grad-Dreher hingelegt und konnte sie nicht beenden. Aber wir wissen genau, was im Auto steckt.“

Den Schlusspunkt setzte Coyne-Neuling Nikita Johnson, der am Nachmittag das Steuer von Dunne übernahm. Der frischgebackene IndyNXT-Champion spulte 62 Runden ab und sortierte sich mit einer Bestzeit von 1:08,020 Minuten auf Rang vier des Tagesklassements ein.#

Dir hat dieser Artikel gefallen? Dann lass doch gerne einen Kaffee da – oder einen winzigen monatlichen Beitrag. Damit ich dieses Projekt auch in Zukunft unabhängig und in dieser Tiefe betreiben kann, freue ich mich über deine freiwillige Unterstützung. Jeder Beitrag hilft direkt dabei, die Qualität und Vielfalt meiner Berichterstattung zu sichern.

Jetzt Leadlap.de und André Wiegold unterstützen via PayPal

(Hinweis: Freiwilliger Beitrag zur Förderung journalistischer Inhalte, inkl. USt., keine steuerlich absetzbare Spende.)

Autor(en)

Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite | + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.