Joey Logano über seine Rolle als Bösewicht: „Ich genieße es insgeheim“

Joey Logano über seine Rolle als Bösewicht: „Ich genieße es insgeheim“
Foto: NASCAR Media / Chris Graythen/Getty Images

Joey Logano sprach in Kansas über seine Rolle als Bösewicht in der NASCAR – Dabei stellte er klar, dass er es genießt, machte aber ebenso deutlich, dass der Hass nicht überhandnehmen sollte

Joey Logano hat in Bristol seinen dritten Saisonsieg eingefahren und wurde trotzdem lautstark ausgebuht. Der 36-jährige Penske-Pilot gewann auf saubere Weise, spürte aber einmal mehr, was ein Teil der NASCAR-Fans von ihm hält. In Kansas sprach er über die Kritik an seinen Meistertiteln und seine Rolle als Bösewicht, in der er sich selbst nicht wiedererkennt.

Die Buhrufe trafen Logano ausgerechnet nach einem Rennen, in dem er nicht nur vom turbulenten Finale profitierte: Er hatte bereits das erste Segment gewonnen und insgesamt 93 Runden geführt. In der Schlussphase zog er am Zweikampf zwischen Ty Gibbs und Carson Hocevar vorbei. Nach dem Rennen rückte zudem die Auseinandersetzung zwischen Hocevar und Ryan Blaney in den Mittelpunkt.

Dass seine Erfolge unterschiedlich bewertet werden, beschäftigt ihn vor allem mit Blick auf seine Meistertitel. „Ich musste mir all diese Kommentare anhören, dass unsere Titel nichts wert seien. Wenn aber der Lieblingsfahrer dieser Leute im selben [Playoff] Format gewinnt, dann soll der Titel plötzlich etwas bedeuten. Das passt für mich nicht zusammen“, sagte Logano.

Vor allem sein Titelgewinn im Jahr 2024 befeuerte diese Debatte. Der 36-Jährige kam in dieser Saison auf einen durchschnittlichen Zieleinlauf von Platz 17,1, gewann vier Rennen und erreichte sieben Top-5-Platzierungen. Hinzu kam, dass er bereits ausgeschieden war und nur durch die Disqualifikation von Alex Bowman in Charlotte auf dem Roval in die vorletzte Runde kam.

Foto: NASCAR Media / Jacob Kupferman/Getty Images

Nun steht die Startnummer 22 erneut in der Post-Season. Nach dem Bristol-Sieg liegt er auf Rang drei, obwohl er in der Anfangsphase der Saison zeitweise sieglos und außerhalb des Chase-Feldes war. Vor Kansas beträgt sein Rückstand auf Spitzenreiter Kyle Larson 16 Punkte. Ein vierter Titel im neuen Format ist damit noch weit entfernt, aber nicht mehr bloß ein Gedankenspiel. 

Für Logano gehört es zum Rennsport, sich strategisch auf die geltenden Regeln einzustellen: „Jeder kennt die Regeln zu Saisonbeginn. Dann entwickelt man eine Strategie, um am Ende die große Trophäe zu gewinnen. Genau das machen wir.“ Auch Richard Petty habe Meisterschaften unter unterschiedlichen Formaten gewonnen, ohne dass darüber gesprochen werde, merkte der Penske-Pilot an. „Wenn wir es in einem anderen Format schaffen, wäre das ein weiterer Erfolg, auf den wir stolz sein können. Und wenn uns das gelingt – werde ich ein bisschen damit angeben? Wahrscheinlich.“

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Buhrufe als Antrieb: Loganos Umgang mit den Fans

Was der Penske-Pilot nicht versteht, ist seine Rolle im Fahrerlager und warum ihm trotz Hocevars kontroversem Ruf von manchen Fans weiterhin die Rolle des Bösewichts zugeschrieben wird. Auf die Frage, warum er mehr Ablehnung erfährt, antwortete er: „Ich verstehe das überhaupt nicht. Aber wenn die Leute so schreien, gibt mir das zusätzliche Motivation. Insgeheim genieße ich es sogar. Jetzt ist es kein Geheimnis mehr. Irgendwie mag ich es.“

Dass er Ablehnung als Antrieb nutzt, ist keine erst in Bristol entstandene Reaktion. Schon im August machte Logano das Motto „4 the Haters“ öffentlich und erzählte, dass es sogar auf einer Anzeigetafel im Teamtrailer steht. Die Buhrufe passen damit zu einer Haltung, die er innerhalb des Teams zum Motivationsmittel gemacht hat.

„Das ist keine schlechte Ausgangslage. Niemand scheint unentschlossen zu sein, ob er die 22 mag oder nicht. Entweder die Leute lieben uns oder sie hassen uns“, fügte er hinzu. 

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Zugleich betonte er, dass er sich selbst nicht als Bösewicht sieht: „Ich rede nicht gern darüber. Ich fühle mich überhaupt nicht wie ein Bösewicht. Wenn ich einer sein soll, dann wahrscheinlich der fröhlichste und am meisten lächelnde Bösewicht, den ihr je gesehen habt. Ich lache, mache Witze und habe Spaß. Ich erkenne diese Seite, die andere mir zuschreiben, bei mir nicht. Vielleicht liegt es daran, wie wir unsere Meisterschaften gewonnen haben. Ich weiß es nicht.“

Dabei geht es ihm nicht nur um seine eigene Wahrnehmung. Die Kritik solle nicht verdecken, was sein Team und sein Umfeld leisten: „Deshalb sage ich, dass mir diese Dinge nicht wirklich wichtig sind. Aber ich möchte auch nicht, dass sie die guten Dinge überschatten, die wir tun.“ Logano verwies auf die Erfolge von Team Penske, die Arbeit seiner Stiftung und das, was in seinem Privatleben gelingt.

„Negative Menschen sollten nicht die Gesellschaft bestimmen und auch nicht dein Leben. Leider passiert das viel zu oft“, sagte er. Deshalb spreche er ungern über Hater: Er wolle ihnen nicht noch mehr Aufmerksamkeit geben, während Positives in den Hintergrund rücke. 

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.