Martinsville-Krimi: Chandler Smith schnappt Teamkollege Layne Riggs den Sieg weg
Chandler Smith hat sich beim vorletzten Saisonrennen der NASCAR Truck Series auf dem Martinsville Speedway gegen seinen Teamkollegen Layne Riggs durchgesetzt – Für Riggs bedeutet Rang drei trotz dominanter Vorstellung, dass er mit einem Rückstand von 20 Zählern ins Finale nach Homestead reisen muss
Chandler Smith hat am Freitagabend das dramatische Black’s Tires 200 der NASCAR Craftsman Truck Series auf dem Martinsville Speedway für sich entschieden. Bei einem Restart zwölf Runden vor dem Ende setzte sich der 24-jährige Ford-Pilot im internen Duell gegen seinen Teamkollegen Layne Riggs durch und sicherte sich nach 200 Runden den Sieg mit einem Vorsprung von 0,574 Sekunden vor Ben Rhodes.
Für Riggs war das Ergebnis ein herber Dämpfer im Meisterschaftskampf: Trotz dominanter Fahrt verpasste er den Sprung an die Tabellenspitze und liegt vor dem großen Saisonfinale nun 20 Zähler hinter Kaden Honeycutt.
Beim entscheidenden Restart nach einer späten Gelbphase wählte Smith die Außenbahn und drückte seinen Boliden entschlossen an Riggs vorbei. Für den Piloten aus Georgia bedeutete die Zieldurchfahrt den dritten Saisonsieg auf der Front-Row-Startnummer 38 sowie die erste begehrte Standuhr seiner Karriere. Dahinter schlüpfte auch Ben Rhodes noch am bisherigen Dominator des Rennens vorbei auf den zweiten Rang.

„Das war einfach Gottes Plan“, erklärte Smith nach der Zieldurchfahrt sichtlich bewegt. „Wir haben seit dem Start der Playoffs eine verdammt harte Phase durchgemacht, aber wir haben die Köpfe nicht hängen lassen und immer an uns geglaubt. Ich bin unglaublich dankbar für diesen Moment. Ein Sieg in Martinsville stand schon eine ganze Weile ganz oben auf meiner Wunschliste.“
Der große Verlierer des Abends war paradoxerweise der stärkste Mann auf der 0,526-Meilen-Strecke. Riggs hatte beide Rennsegmente gewonnen und 156 der 200 Runden angeführt. Bei einem Triumph hätte er die Gesamtwertung vor dem Finale mit einem Punkt Vorsprung angeführt; durch Platz drei wuchs der Druck auf den Youngster spürbar an.
Trotz der bitteren Pille gratulierte Riggs seinem Teamkollegen noch in der Boxengasse sportlich fair. „Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch an Chandler Smith; er ist ein wirklich starkes Rennen gefahren und hat verdient gewonnen“, so Riggs. „Es freut mich für die Jungs, denn ihr letzter Erfolg lag schon etwas zurück.“
Gleichzeitig haderte der Dominator mit der Balance seines Pick-ups auf der Innenlinie beim Restart. „Das Auto war beim Beschleunigen einfach viel zu lose auf der Hinterachse, als der Gummiabrieb auf der Strecke lag. Unter Chandler und auch später unter der #99 von Rhodes ist mir das Heck komplett weggerutscht, ich kam auf diesem letzten Restart einfach nicht in Schwung. Ich habe mein Bestes gegeben, aber mir fehlte die saubere Luft. Ob man es glaubt oder nicht: Saubere Luft ist hier wichtiger als auf vielen anderen Strecken.“
Hier gibt es die Highlights des Rennens auf YouTube
Trotz des verpassten Sieges blickt Riggs kämpferisch auf die Titelentscheidung in Homestead. „Hey, wir haben immer noch eine Chance und haben mehr Punkte gutgemacht, als wir zuvor im Rückstand lagen, darüber bin ich froh“, betonte er. „Ich wollte diese Uhr so unbedingt haben. Aber so wie es jetzt aussieht, wird es wohl darauf hinauslaufen: Entweder ich oder die Startnummer 11 von Honeycutt gewinnt in Homestead – der Sieger holt alles.“
Tabellenführer Kaden Honeycutt erlebte derweil einen turbulenten Abend im engen Martinsville-Verkehr und rettete nach harten Scharmützeln mit dem 16-jährigen Polesetter Tristan McKee lediglich den 14. Platz ins Ziel. Er profitierte direkt davon, dass Smith seinem Verfolger Riggs die entscheidenden Extrapunkte wegschnappte.
„Das war ein ziemlich mieser Deal heute, aber Chandlers Sieg hat mir da gewaltig aus der Patsche geholfen; ich war wirklich überrascht, dass er sich das Ding noch geholt hat“, gab Honeycutt unumwunden zu. „Kontakt und enge Zweikämpfe gehören in den Schlussrunden auf einem Short Track eben dazu. Es sind jetzt 20 Punkte Vorsprung, aber komfortabel ist das definitiv nicht. Wir müssen nächste Woche in Homestead voll auf Sieg fahren. Das ist alles, was wir tun können.“
Hinter dem Spitzen-Trio machte Ty Majeski als Vierter den Vierfach-Erfolg für Ford perfekt. Der erst 16-jährige McKee, der sich zuvor als jüngster Polesetter der Truck-Series-Geschichte in die Rekordbücher eingetragen hatte, beendete das Rennen als starker Fünfter. Die Top 10 komplettierten Andres Perez de Lara, Tyler Ankrum, Gio Ruggiero, William Sawalich und Christian Eckes in einem Lauf, der insgesamt nur vier Spitzenreiter und sieben Führungswechsel sah.
Die Entscheidung im Meisterschaftskampf fällt am kommenden Freitag auf dem 1,5-Meilen-Oval des Homestead-Miami Speedway in Florida. Im Vorjahr siegte an gleicher Stelle der amtierende NASCAR-Cup-Champion Kyle Larson bei einem Gaststart.
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.







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