NASCAR räumt auf: Was wirklich hinter der Bummel-Warnung und dem Zielsprint von Talladega steckt

NASCAR räumt auf: Was wirklich hinter der Bummel-Warnung und dem Zielsprint von Talladega steckt
Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

Nach dem kontroversen Rennen in Talladega herrscht im NASCAR-Feld reichlich Klärungsbedarf – Kommunikationschef Mike Forde bezog nun offiziell Stellung zu verhängten Funk-Warnungen, der umstrittenen Ziellinien-Fahrt von Kyle Larson und den Manipulationsvorwürfen

Drei Tage nach dem Fallen der Zielflagge wird das Talladega-Rennen weiterhin heiß diskutiert, da es gleich mehrere Brennpunkte gibt, mit denen sich NASCAR auseinandersetzen muss. Das extreme Spritsparen im ersten Rennabschnitt war den Kommissaren ein Dorn im Auge und hätte beinahe spürbare Konsequenzen nach sich gezogen. Kyle Larson hingegen hat laut Ansicht der Rennleitung kein Vergehen begangen, und auch eine mögliche Stallorder bei Chevrolet hielt der datenbasierten Prüfung stand.

Gehen wir die Punkte der Reihe nach durch und beginnen mit der Unterschreitung der Mindestgeschwindigkeit im Auftaktsegment: Ein Großteil des Feldes drosselte das Tempo massiv, um Benzin zu sparen – einzig das Ford-Trio von RFK Racing zog an der Spitze auf und davon. Die Rennleitung sprach daraufhin eine automatisierte Verwarnung an die Teams aus, da die vorgeschriebene Richtzeit (maximal 12,5 Prozent langsamer als die Pole-Zeit im Qualifying) unterschritten worden war. NASCAR zog kurzzeitig sogar Sanktionen gegen die Bummelanten in Betracht. Nach dem deutlichen Hinweis zogen die Fahrer die Schlagzahl jedoch umgehend an, wodurch eine kollektive schwarze Flagge hinfällig wurde.

„Wir können einzelnen Teams oder der gesamten Boxengasse Sofortnachrichten schicken“, erklärt Mike Forde, NASCAR-Vizepräsident für Rennkommunikation, im Hauler Talk-Podcast. „Also haben wir an die gesamte Boxengasse eine Nachricht geschickt und gesagt: ‚Hey, hier ist eine bestimmte Anzahl an Autos, die die Mindestgeschwindigkeit nicht erreicht haben. Wenn ihr nicht zulegt, müssen wir einschreiten.‘ Und kurz darauf haben sie das Tempo erhöht. Die Nachricht ist also angekommen, und deshalb haben wir auch niemanden mit der schwarzen Flagge belegt.“

Der zweite Aufreger war der packende Zielsprint von Kyle Larson, der sich den Sieg um Haaresbreite sicherte, dabei aber ebenso knapp an einer Strafe vorbeischrammte. Larson unterschritt laut NASCAR die verbotene Begrenzung unterhalb der doppelten gelben Linie nicht regelwidrig, da sich seine Reifen noch teilweise auf der Markierung befunden haben sollen. Folglich war es unerheblich, ob er dadurch an Boden gewann, da sein Fahrzeug reglementkonform auf der Strecke verblieb.

„Es hat einen kurzen Moment gedauert“, so Forde. „Wir haben uns die Szene noch einmal angeschaut. Der Reifen muss vollständig unterhalb der gelben Linie sein. Wenn also auch nur ein halber Inch auf dieser gelben Linie bleibt, sprechen wir keine Strafe aus. Nach unserer Einschätzung war das ziemlich eindeutig. An diesem Punkt endet die Diskussion für NASCAR im Grunde auch schon. Die Frage lautet: ‚Sind wir der Ansicht, dass Reifen unterhalb der gelben Linie waren? Nein. Okay. Das war’s.‘“

Foto: NASCAR Media / Sean Gardner/Getty Images

Forde erläutert das Vorgehen weiter: „Man hat eine Frage, und wenn die Antwort ‚Ja‘ lautet, geht man hierhin weiter. Lautet sie ‚Nein‘, geht man dorthin. In diesem Fall gehen wir nach der Realität. Und dann nach einer hypothetischen Realität: Waren Kyles Reifen unterhalb der gelben Linie? Nein. Und wenn man bei ‚Nein‘ landet, gibt es keine Strafe. Lautet die Antwort ‚Ja‘, muss man prüfen: Verbessert man damit seine Position? Wenn das ebenfalls ein ‚Ja‘ ist, prüft man, ob man nach unten abgedrängt wurde. Und wenn die Antwort darauf ‚Ja‘ lautet, wäre das eine Strafe.“

„Wenn die Antwort ‚Nein‘ lautet, gibt es keine Strafe“, stellt Forde klar. „Um eine Strafe zu bekommen, müssen also quasi drei verschiedene Dinge eintreffen: Man muss unterhalb der gelben Linie sein und man muss seine Position verbessern. Und dann: Wurde man nach unserer Beurteilung dorthin gedrängt? Nichts davon hat in diesem Gespräch eine Rolle gespielt. Man könnte jetzt sagen: ‚Oh, vielleicht haben sie es nicht so entschieden, weil er die Startnummer 34 bereits überholt hatte.‘ Das spielte aber keine Rolle. Es war nach unserem Ermessen schlichtweg so, dass sein Reifen noch auf der Linie war, und damit haken wir das Thema ab.“

Zu guter Letzt stand der Verdacht im Raum: Haben die übrigen Chevrolet-Piloten im Zielsprint absichtlich zurückgesteckt, um Larson nach vorne zu spülen? Durch den Triumph in Talladega besitzt der Hendrick-Pilot mit 73 Punkten Vorsprung nun glänzende Aussichten auf die erfolgreiche Titelverteidigung im Cup. Doch auch diesen Vorwurf überprüfte NASCAR anhand der Telemetrie. Der Befund: Auffällige Werte gab es keine. Zudem legte kein Konkurrenzteam Protest ein – ein entscheidender Faktor, da allen Rennställen dieselben Datensätze zur Einsicht vorliegen. Weitere Ermittlungen waren damit vom Tisch.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite | + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.