Hamlin kritisiert NASCARs Linie bei Teamordern: „In Martinsville ist das illegal“
Denny Hamlin wirft NASCAR nach Talladega eine inkonsequente Bewertung von Teamordern vor – Vor Martinsville fordert der Joe-Gibbs-Pilot eine klare Linie
Die Zusammenarbeit zwischen Teams und Fahrern wirft in der NASCAR immer wieder die Frage auf, wo gemeinsame Strategie endet und Rennmanipulation beginnt. Vor Martinsville kritisiert Denny Hamlin in seinem Podcast Actions Detrimental, dass solche Absprachen aus seiner Sicht je nach Strecke unterschiedlich bewertet werden.
„Dinge, über die wir hier sprechen, sind illegal, wenn wir nach Martinsville fahren“, erklärt der Joe-Gibbs-Racing-Veteran in seinem Podcast. „Sie sind es eben nur nicht, wenn wir nach Talladega kommen.“
Bereits vor Talladega hatte Hamlin seine Erwartungen an Chevrolet zugespitzt formuliert. Er sei sicher, dass sich der Hersteller organisieren und „all seinen Bauern“ befehlen werde, sich in einer Reihe hinter Larson anzustellen.
Für den Titelfavoriten stand dabei viel auf dem Spiel: Mit einer schwachen Superspeedway-Bilanz und einem geschrumpften Punktevorsprung war der Hendrick-Pilot nach Alabama gereist. Im Rennen erhielt er unter anderem Unterstützung von Chastain, der ihn im Zieleinlauf zum Sieg schob. Larsons Triumph und die Rückschläge seiner Konkurrenten vergrößerten seinen Vorsprung auf Hamlin schließlich auf 73 Punkte.

Wer bei Chevrolet wirklich die Fäden zieht
Nach dem Rennen richtete sich Hamlins Kritik allerdings nicht gegen die Fahrer, die die Vorgaben umsetzten. Vielmehr betrachtete er die aufgebaute Machtstellung von Hendrick Motorsports am Beispiel von Chastain kritisch.
„Die Leute wollen das einfach nicht schwarz auf weiß sehen. Aber welche Wahl hat Ross denn? Er muss sich vor den Leuten verantworten, die ihn beschäftigen, oder an Renntagen vor seinem Crew-Chief. Der Crew-Chief verantwortet sich gegenüber dem Team. Das Team verantwortet sich dann gegenüber Chevy. Chevy verantwortet sich schließlich gegenüber Hendrick.“
Dabei sieht er vor allem Hendrick Motorsports in einer Machtposition im gesamten Fahrerlager der Cup Series: „Ich stelle [Rick] Hendrick über Chevy, weil er das Ganze kontrolliert. Und wenn du Trackhouse, Spire, Hayak oder wer auch immer bist, läuft alles über Rick Hendrick. Es läuft nicht über Chevy.“
Sein Argument verlagert die Verantwortung damit von den Fahrern auf die Entscheidungswege dahinter. Chastains Verhalten betrachtet Hamlin nicht als isolierte Wahl eines Fahrers, sondern als Folge übergeordneter Interessen. Die von ihm beschriebene Hierarchie bleibt dabei seine eigene Bewertung der Machtverhältnisse.

Der Taktik-Bauplan von JR Motorsports
Dass Kooperationen teamintern real sind und gezielt auf Superspeedways genutzt werden, zeigte JR Motorsports. Das Team des ehemaligen Cup-Piloten dominierte das O’Reilly-Rennen auf dem Tri-Oval durch eine gezielte Taktik, die Earnhardt Jr. in seinem Podcast erklärte.
Dabei verriet er, wie die Absprachen aussahen: „Wir werden verdammt noch mal versuchen, es unmöglich zu machen, dass Leute auf der unteren Linie überholen. Und wir werden verdammt noch mal versuchen, das Rennen bis zur Ziellinie zu kontrollieren. Weil wir jetzt – und ich weiß, es hat 25 Jahre gedauert – endlich einen Bauplan dafür haben.“
Für diese Strategie opferten auch Fahrer wie Rajah Caruth und Sammy Smith ihre Runs, um sich als Team durchzusetzen. Die Rangordnung wurde vor dem Lauf durch den aktuellen Tabellenstand im Chase bestimmt.
Das Vorgehen hatte Erfolg. JR Motorsports sammelte als Kollektiv die meisten Führungsrunden und Smith sicherte sich am Ende den Sieg in Alabama.

Zweierlei Maß
Dass solche Absprachen vor dem potenziell entscheidenden Lauf in Martinsville für Diskussionsstoff sorgen, ist kein Zufall. Im Herbstrennen 2024 in Martinsville bestrafte NASCAR die Teams von Chastain, Austin Dillon und Bubba Wallace wegen Verstößen im Zusammenhang mit Rennmanipulation.
Wallace fuhr während der letzten Runden des Rennens in Richtung Mauer, wodurch Christopher Bell, der um seine letzten Meisterschaftschancen kämpfte, eine Position gutmachte. Währenddessen schirmten Dillon und Chastain den Chevrolet-Piloten William Byron gegen nachfolgende Fahrer ab, da dieser auf der Kippe für das Final 4 stand. Die NASCAR untersuchte daraufhin das Renngeschehen sowie den Boxenfunk und belegte die Teams mit harten Strafen.
Nun kritisiert jedoch Hamlin die Umsetzung dieser Regel durch die NASCAR. Dabei bezieht er sich auch auf das unterschiedliche Maß, das bei verschiedenen Streckentypen angewendet wird.

Schluss mit der Fall-zu-Fall-Politik
„Es sind einfach die Umstände. Sie haben zwar Regeln, aber es ist eben eine andere Strecke. ‚Wir werden alles von Fall zu Fall entscheiden.‘ Das ist ihr Lieblingswort. Es passiert auf einer Fall-zu-Fall-Basis“, spitzt Hamlin die Ausführung des Verbandes zu.
Seine Forderung lautet deshalb: Konsequenz und eine klare Linie. Es geht für Hamlin damit nicht nur darum, wer wem hilft. Es geht darum, ob alle Beteiligten nach derselben nachvollziehbaren Grenze handeln können.
„Wenn die Leute einfach nur für andere blocken und eine Teamorder haben wollen, dann lasst es uns verdammt noch mal einfach machen. Lasst es uns einfach tun. Denn noch mal: Wenn ihr die Regeln nicht durchsetzt, dann werden es einige tun und andere nicht – also lasst uns einfach fahren.“
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Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.







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