Mehr Taktik oder nur ein Narrativ? Byron und Larson über die Dynamik mit NASCAR-Chase
William Byron und Kyle Larson analysieren in der NASCAR Cup Series die Renndynamik durch das Chase-Format – So bewerten die Hendrick-Piloten die Veränderung
Was hat die Einführung des Chase-Formats in der NASCAR Cup Series wirklich verändert? Erleben wir mehr knallharte Zweikämpfe, wird aggressiver gefahren oder agieren die Piloten ruhiger und bedachter? Im Endspurt der Regular Season haben der amtierende Champion Kyle Larson und sein Hendrick-Teamkollege William Byron dazu eine klare Meinung.
Für Byron, der die Startnummer 24 pilotiert, hat sich hauptsächlich die taktische Herangehensweise verschärft. „Ich denke, dass es eine enorme Belohnung dafür gibt, Rennen zu gewinnen“, erklärt er mit Blick auf das neue Chase-Format, durch das die Wertigkeit eines Sieges von 40 auf 55 Punkte angehoben wurde.
„Wir haben natürlich schon immer versucht, so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Ich glaube aber, das neue Format hat dieses Bewusstsein im gesamten Fahrerfeld noch geschärft“, fügt der ehemalige Simracer hinzu.

Gleichzeitig betont Byron, wie entscheidend die Konstanz im aktuellen System ist, was auf der Strecke zu weniger Einsicht führt, die Position abzugeben. „Man muss einfach enorm aggressiv sein, um sich einen Platz zu erkämpfen. Deshalb fühlt es sich im Mittelfeld immer noch genauso sehr nach einem Crash-Fest an wie eh und je.“
Die Natur der Next-Gen-Autos trage ihr Übriges dazu bei, dass die Emotionen hochkochen und das Racing im hart umkämpften Mittelfeld chaotischer denn je wirke. „Der Schwerpunkt“, so Byron weiter, „liegt ganz klar auf den Stage-Punkten und dem Versuch, Rennen zu gewinnen. Das ist von enormer Bedeutung.“
„Chaotisch wie immer“
Kyle Larson hingegen ordnet die Situation etwas anders ein und tritt der Annahme entgegen, die reine Renndynamik habe sich grundlegend nicht gewandelt. „Ich weiß, dass viele Medien versuchen, das Narrativ zu pushen, dass das Racing durch die Punktewertung jetzt anders sei“, hält der Champion im Rahmen der gemeinsamen Pressekonferenz fest. „Aber ich glaube nicht, dass sich das Racing auf der Strecke überhaupt verändert hat. Es ist immer noch genauso chaotisch, wie es schon immer war.“
Dass Fahrer und Fans nun genauer auf die Tabelle schauen, bestreitet Larson jedoch nicht. „Es macht riesigen Spaß, das Ganze zu verfolgen und zu sehen, welche Fahrer sich in der Nähe der Cut-off-Linie befinden, um es in den Chase zu schaffen. Man achtet definitiv mehr auf die Punkte – aber ich würde absolut nicht behaupten, dass sie wichtiger sind als früher.“

Wie eng es tatsächlich um die Chase-Cutline zugeht, zeigt ein Blick auf die aktuelle Tabelle nach Sonoma: Ryan Preece Austin Cindric auf Rang 15 und 16 trennt aktuell nur ein Punkt. Dahinter liegt Erik Jones als erster Pilot außerhalb der aktuellen Finalkandidaten nur zwölf Punkte hinter dem Penske-Piloten.
Was Larson am aktuellen Format ausdrücklich lobt, ist die neu gewonnene Transparenz, die das System in die Liga gebracht hat: „Ich muss sagen, dass ich an diesem System schätze, direkt nach dem Rennen auf Jayski [Website für Punktestände] nachsehen zu können, um die Punkte zu checken und genau zu wissen, wo jeder steht.“
Mit einem kleinen Seitenhieb fügt er hinzu: „Es war früher wirklich extrem verwirrend. In dem alten System hat man im Grunde einfach bis nach Daytona gewartet, um überhaupt zu sehen, wo man steht.“
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Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.





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