Erlösung nach 63 Rennen: Marcus Ericsson triumphiert beim turbulenten Kanada-Debüt

Erlösung nach 63 Rennen: Marcus Ericsson triumphiert beim turbulenten Kanada-Debüt
Foto: Penske Entertainment: James Black

Marcus Ericsson hat beim chaotischen Premierenrennen der IndyCar Series im kanadischen Markham seine 63 Rennen andauernde Sieglos-Serie beendet – Mit einer fulminanten Schlussattacke schnappte sich der Andretti-Pilot den Sieg vor Romain Grosjean, während zahlreiche Favoriten in den engen Betonkanälen scheiterten

Marcus Ericsson hat beim turbulenten Debüt der IndyCar Series im kanadischen Markham eine 63 Rennen andauernde Durststrecke beendet. Der Andretti-Pilot setzte sich am Sonntag in der Schlussphase des 90 Runden langen Rennens auf dem neuen Stadtkurs mit einer aggressiven Aufholjagd gegen Dale-Coyne-Pilot Romain Grosjean durch. Für den Schweden ist es der fünfte Karrieresieg in Nordamerikas höchster Formelserie und der erste Triumph seit dem Saisonauftakt 2023 in St. Petersburg.

Nur zehn Tage nach seiner Vertragsverlängerung bei Andretti Global zeigte der Indy-500-Sieger von 2022 eine echte Willensleistung. Nach seinem finalen Boxenstopp in Runde 69 lag Ericsson noch auf der siebten Position. Mit frischen Reifen und kompromisslosen Manövern pflügte er durch das Spitzenfeld, ehe er Grosjean fünf Runden vor Schluss die Führung entriss.

„Es hat lange genug gedauert“, erklärte ein sichtlich mitgenommener Ericsson nach dem Rennen mit heiserer Stimme. „Es kommt für uns gar nicht so überraschend, denn wir haben ein starkes Jahr und qualifizieren uns regelmäßig vorne. Wir haben vielleicht nicht immer die Ergebnisse geholt, die wir verdient gehabt hätten, aber diesen Sieg haben wir uns wirklich erarbeitet.“

Der Schlüssel zum Erfolg lag in einem taktischen Wagnis während der zahlreichen Gelbphasen. Ericsson blieb zwangsweise im letzten Stint länger auf der Strecke als die Konkurrenz, um in freier Fahrt schnelle Rundenzeiten in den Asphalt zu brennen.

„Ich denke, wir hatten den ganzen Tag über das schnellste Auto“, so Ericsson zur Strategie seines Teams. „Wegen der vielen Gelbphasen mussten wir am Ende länger draußen bleiben und haben auf diese Lücke gepokert. Als ich auf Platz sieben wieder rauskam, hatten wir eine brachiale Pace, aber es war trotzdem ein hartes Stück Arbeit, an allen vorbeizugehen.“

Auf seinem Weg nach vorn scheute der Schwede auch das teaminterne Duell nicht. In der engen Spitzkehre von Kurve 5 kam es zur Berührung mit Teamkollege Will Power, der schlussendlich Dritter wurde. „So etwas will man natürlich nie, aber ich musste einfach vorbei – ich wusste genau, dass ich dieses Rennen gewinnen kann“, stellte Ericsson unmissverständlich klar.

Für Romain Grosjean endete der Tag hingegen mit dem nächsten bitteren Deja-vu. Der Franzose führte 28 Runden lang und schnupperte an seinem ersten IndyCar-Sieg, musste sich jedoch zum sechsten Mal in seiner US-Karriere mit Rang zwei begnügen.

„Wir haben absolut alles gegeben“, bilanzierte Grosjean nach der Zieldurchfahrt. „Ich wollte Alex Palou auf Distanz halten, denn mit diesem Vorsprung fühlte es sich sicher an. Doch dann kam Marcus angerauscht. Es war leider nicht unser Tag, aber wir blicken nach vorne.“

Hinter dem Podesttrio komplettierten Meisterschaftsleader Palou (Chip Ganassi Racing) und Pato O’Ward (Arrow McLaren) die Top 5. Für Pole-Setter Louis Foster endete der Tag dagegen dramatisch: Nach 32 Führungsrunden warf ihn eine Gelbphase zurück, ehe er bei einer spektakulären Aufholjagd in Runde 43 in Kurve 3 frontal in die Streckenbegrenzung krachte. An exakt derselben Stelle strandete kurz darauf auch Andretti-Fahrer Kyle Kirkwood.

Die enge Spitzkehre von Kurve 5 entwickelte sich ohnehin zum Brennpunkt des Wochenendes. Neben Kollisionen von Dennis Hauger und Christian Rasmussen zog dort auch Nolan Siegel nach einem ungestümen Manöver gegen Josef Newgarden eine Strafe nach sich. Auch für Mick Schumacher war das Rennen früh beendet, nachdem er in Runde 15 in Kurve 4 auf Platz acht liegend die Mauer touchierte und die erste Gelbphase des Tages auslöste.

In der Meisterschaft baute Alex Palou seinen Vorsprung auf Verfolger Kyle Kirkwood vier Rennen vor Schluss auf komfortable 133 Punkte aus. Lange Zeit zum Verschnaufen bleibt dem Fahrerfeld allerdings nicht: Bereits am Wochenende steht mit dem Freedom 250 Grand Prix in den Straßen von Washington, D.C. das nächste Stadtrennen auf dem Programm.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.