NASCAR Whelen Euro Series

Top 10: Die Höhepunkte der EuroNASCAR-Saison 2019

Michael Großgarten

Die EuroNASCAR-Saison 2019 entzückte die Fans mit vielen Höhepunkten – Ich habe meine zehn größten Momente der vergangenen Meisterschaft zusammengefasst

Liebe NWES-Fans,

die NASCAR Whelen Euro Series (NWES) 2019 war sicher eine der spannendsten Meisterschaften in der Geschichte der Serie. Die neuen Reifen, das starke Fahrerfeld und die Vielzahl an Autos haben uns viele spannende Momente geliefert und uns eine unvergessliche Saison beschert. Deshalb stelle ich euch meine Top 10 des Jahres 2019 vor.

Foto: Frank Reipen

Platz 10: Die Gaststarter

Im Jahr 2019 haben wieder viele prominente Gaststarter die V8-Boliden bewegt. Aus deutscher Sicht war der Start von Daniel Keilwitz am Hockenheimring für Mishumotors sicher der wichtigste in der Saison 2019. Immerhin ist Keilwitz im GT Masters eine echte Legende.

Beim Festival Of Speed in Goodwood nahmen gleich zwei NASCAR-Größen in den europäischen NASCAR-Maschinen Platz: David und Todd Gilliland. Mit Bobby Labonte und Jennifer Jo Cobb gab es auch wieder zwei große Namen aus dem US-NASCAR-Sport, die in der NWES um Punkte gekämpft haben – wenn auch nicht in vollzeit.

Ruben Garcia Jr. ist der Champion der mexikanischen NASCAR-Serie und er fuhr beim NWES-Saisonauftakt in Valencia mit. Es war der erste Teil des Austauschprogramms der Serien, durch das Champion Loris Hezemans im Dezember auch in Mexiko starten durfte. Weitere nennenswerte Gaststarter waren Michaela Dorcikova, Marco Santamaria, Ioannis Smyrlis und Barry Maessen.

Foto: Michael Großgarten

Platz 9: Snider erobert das Oval im Regen

NWES, Regen und ein Oval: diese Kombination hat es in der Geschichte der Serie schon einmal gegeben. Mathias Lauda gewann für DF1 Racing im Jahr 2014 auf dem nassen Tours Speedway in Frankreich. Im Jahr 2019 setzte US-NASCAR-Pilot Myatt Snider noch einen drauf.

Während der Tours Speedway nur 600 Meter lang ist und ein Banking von bis zu neun Grad hat, ist der Raceway Venray in den Niederlanden ein anderes Kaliber. Der Kurs hat eine Distanz von einer halben Meile (rund 880 Meter) und ein Banking von bis zu 25 Grad. Ein Auto auf diesem Kurs im Regen zu bewegen, ist also eine völlig andere Herausforderung.

Im Freien Training der EuroNASCAR-2-Meisterschaft fing es plötzlich an zu regnen und viele Fahrer stellten ihre Fahrzeuge in der Box ab. Nicht aber Myatt Snider, der munter auf nasser Strecke eine Runde nach der anderen drehte und dabei beeindruckende Zeiten in den feuchten Asphalt brannte – ein echtes Highlight!

Foto: NWES / Stephane Azemard

Platz 8: Castro versus Snider

Die EuroNASCAR-2-Meisterschaft war so eng wie noch nie und selten gab es so viele Rookies, die gleich von Beginn an konkurrenzfähig waren. Beim Saisonauftakt in Valencia entfachte in der Endphase des ersten Rennens ein heißer Kampf zwischen Snider und Andre Castro, der bis zur letzten Kurve das Rennen anführte.

Snider warf in der letzten Kurve noch einmal alles in die Waagschale, aber dann kam es zum Kontakt. Sowohl Snider als auch Castro drehten sich, weshalb Rookie Giorgio Maggi abstaubte und in seinem ersten NWES-Rennen überhaupt den Sieg holte. Der Zweikampf zwischen den beiden Amerikanern Snider und Castro wird sicher noch lange im Gedächtnis der Fans bleiben.

Foto: NWES / Stephane Azemard

Platz 7: Vilarino mit Traum-Comeback

Die Rückkehr des dreimaligen NWES-Champions Ander Vilarino war für viele spanische Fans die Top-Neuigkeit vor der Saison 2019. Mit dem neuen Team Racing Engineering setzte Vilarino gleich beim Saisonauftakt eine markante Duftmarke.

Auf seinem Heimkurs, dem Circuit Ricardo Tormo im spanischen Valencia, brillierte Vilarino mit einem Doppelsieg in der EuroNASCAR-PRO-Meisterschaft. Es schien, als hätte der Spanier sofort zu seiner alten Stärke zurückgefunden. Im Laufe der Saison plagten das Team aber einige Probleme, weshalb die Form aus Valencia nicht aufrechterhalten werden konnte.

Foto: Michael Großgarten

Platz 6: Ghirelli meistert das Oval

Ovalrennen sind eine ganz besondere Disziplin und deshalb braucht es viel Erfahrung, um auf diesen Kursen erfolgreich zu sein. Beste Voraussetzungen hatte im Jahr 2019 Snider, der mit seiner Oval-Ausbildung in den USA als Favorit in das Venray-Rennen ging. Jedoch kam der Sieger letztlich aus Italien.

Vittorio Ghirelli bezwang Snider auf dem Short-Track und sicherte sich im ersten Ovalrennen
seiner Karriere gleich den Sieg. Ghirelli war anschließend bis zum Finale in Zolder ein Titelkandidat, konnte aber letztlich keinen wichtigen Nadelstich mehr setzen.

Der Ovalsieg in Venray war für ihn aber etwas ganz Besonderes, auch weil es im Rennen keine einzige Gelbphase gab und er über 70 Runden lang ans Limit gehen musste.

Foto: NWES / Stephane Azemard

Platz 5: Jacques Villeneuve mischt die NWES auf

Jacques Villeneuve hat für ein Erdbeben in der NWES gesorgt, denn viele Rennsport-Fans kamen nur deshalb an die Strecke, um den ehemaligen Formel-1-Weltmeister und Indy-500-Sieger Rennfahren zu sehen. Der erste Erfolg des Kanadiers ließ nicht lange auf sich warten.

Sein bestes Wochenende erlebte Villeneuve in Italien, wo er am Autodromo di Franciacorta gleich zweimal auf das Podium fuhr. Sein drittes Top-3-Ergebnis landete der Kanadier auf dem Oval von Venray, wo er auch seine erste und bisher einzige Pole-Position eingefahren hat. In Zolder durfte Villeneuve im zweiten Rennen von der Pole starten – dank der schnellsten Rennrunde im ersten Lauf.

Im Jahr 2020 wird Villeneuve zusammen mit Patrick Lemarie FEED Racing an den Start bringen. Die Motorsport-Legende wird das Team nicht nur anführen, sondern auch selbst ins Lenkrad greifen.

Foto: Michael Großgarten

Platz 4: Maggi siegt nach Motorschaden

Wie lange braucht ein Team, um einen zerstörten Motor zu wechseln? Bei Hendriks Motorsport hätte im tschechischen Most eine Stoppuhr mitlaufen sollen, denn das Arbeitstempo der Niederländer war rekordverdächtig. Zwischen dem EuroNASCAR-PRO- und EuroNASCAR-2-Rennen schaffte das Team, den Motor zu wechseln.

Was war passiert? Hezemans fiel am Mittag in seinem Lauf in Führung liegend mit einem Motorschaden aus. Maggi, der in der Meisterschaft an der Spitze lag, musste jetzt bangen, sein Rennen überhaupt starten zu können. Jedoch legten sich die Mechaniker so ins Zeug, dass der Schweizer in letzter Sekunde ins Grid fahren konnte.

Nicht nur das: Maggi startete von der Pole-Position und sicherte sich in Most den Sieg. Das Team hatte es nicht nur geschafft, Maggi an den Start zu bringen, sondern ihm auch ein konkurrenzfähiges Auto zu liefern – stark!

Foto: Michael Großgarten

Platz 3: Die Aufholjagd des Jahres

Wie oft beschweren sich Fahrer, dass auf bestimmten Strecken nicht überholt werden kann? Gilt das auch für Brands Hatch? Lasse Sörensen hat sicher dafür gesorgt, dass auf dem britischen Kurs solche Aussagen nicht mehr gelten. Der Däne bescherte den Fans im Jahr 2019 die Aufholjagd der Saison.

Nach technischen Problemen im Qualifying musste der DF1-Fahrer von ganz hinten, also Platz 27, starten. Nach 30 Runden spannendem NWES-Racing trauten viele Zuschauer ihren Augen nicht, denn plötzlich war Sörensen an der Spitze. Wie hatte er das geschafft?

Gleich beim Start machte der riesige Däne viele Positionen gut. Außerdem nutzte er die Restarts nach den Gelbphasen aus, um sich sukzessive nach vorne zu schleichen. Erst in der letzten Runde überholte er Castro mit einem beinharten Manöver und sicherte sich den Sieg. Hut ab vor dieser Leistung!

Foto: NWES

Platz 2: Loris Hezemans krönt sich zum Champion

Im Jahr 2018 stieg Loris Hezemans, Sohn von Motorsport-Legende Toine Hezemans, in die EuroNASCAR-Serie ein. In der ersten Saison bewies der Niederländer schon, dass er verdammt schnell ist, jedoch fehlte es ihm an Geduld und Konstanz. Der Titel war beim Debüt noch nicht drin, aber er holte sich die Junior Trophy.

Im Jahr 2019 zeigte Hezemans früh, dass er das Zeug zum NWES-Meister hat. Auch wenn der Saisonstart nicht nach Plan verlief, war der 22-Jährige immer an der Spitze mit dabei. Der Durchbruch gelang ihm im zweiten Rennen von Most mit dem ersten Saisonsieg. Es folgten drei weitere Siege und der Titelgewinn in Zolder. Hezemans ist mit seinen 22 Jahren der jüngste EuroNASCAR-Champion überhaupt.

Foto: Michael Großgarten

Platz 1: Zentimeter entscheiden die EuroNASCAR-2-Meisterschaft

Maggi und Sörensen haben sich im Jahr 2019 einen offenen Schlagabtausch geliefert und die EuroNASCAR-2-Meisterschaft wurde erst auf den letzten Metern entschieden. Letztlich war es Sörensen, der sich mit einem Sieg im letzten Saisonrennen von Zolder zum Meister krönte.

Jedoch war es keine einfache Fahrt für den Dänen: Er hatte Maggi erst am Vortag in der Gesamtwertung überholt, weshalb am Sonntag der Fahrer den Titel holen sollte, der als erstes über die Ziellinie fuhr. Maggi versuchte in der letzten Runde noch einmal alles, um an Sörensen vorbeizukommen, aber der blieb standhaft und sicherte sich den Sieg und den Titel.

Beeindruckend ist, dass Sörensen den Saisonauftakt in Valencia verpasst hatte und dennoch in der Lage war, noch an die Spitze der EuroNASCAR-2-Meisterschaft zu fahren. Außerdem gewann der rund zwei Meter große Däne die Rookie Trophy. Es war auch der erste Meisterschaftssieg für DF1 Racing aus Österreich in der Geschichte des Teams.

Das waren sie, meine persönlichen Highlights der NWES-Saison 2019. Das gesamte Leadlap-Team wünscht euch und eurer Familie einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Lieben Gruß,

André Wiegold

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