Wildes Indy-GP-Rennen: Lundgaard siegt, Schumacher wirft solides Ergebnis weg
Christian Lundgaard gewann das IndyCar-Rundkursrennen auf dem Indianapolis Motor Speedway – Mick Schumacher fiel nach einer späten Strafe weit zurück
Das Rundkursrennen der IndyCar Series auf dem Indianapolis Motor Speedway entwickelte sich zu einem echten Krimi: Nach Unfällen, einer schwierigen Entscheidung der Rennleitung und einer Strafe am Ende kippte das Geschehen im Laufe der 85 Runden immer wieder. Am Ende sicherte sich Christian Lundgaard seinen zweiten Karrieresieg, während Mick Schumacher auf den letzten Metern einen sicheren zwölften Platz wegwarf.
Der Chaos begann schon in der ersten Runde, als ein Unfall gleich mehrere Top-Fahrer ins Verderben riss. Schon vor dem Fallen der grünen Flagge gab es im hinteren Feld Auffahrunfälle von Scott McLaughlin und Rinus VeeKay, die beide ihre Frontflügel beschädigten. Die beiden fuhren Santino Ferrucci beziehungsweise Christian Rasmussen ins Heck. Doch auch vorne krachte es mächtig.
IndyCar-Star Alex Palou verteidigte in Kurve 1 seine Führung, während sich hinter ihm Felix Rosenqvist verbremste und in Pato O’Ward krachte. Der Schwede wurde für die Aktion, die auch Scott Dixon und Caio Collet involvierte, bestraft. Nach dem Restart beruhigte sich das Rennen erst einmal und Palou drückte dem Rennen seinen Stempel auf.
Verwirrung bei der Gelbphase
Dann wurde es knifflig: Alexander Rossi musste sein Auto mit einem Defekt an der Hybrideinheit auf der Start-Ziel-Geraden parken. Das Live-Timing zeigte eine Full-Course-Yellow an, doch das war eine Fehlinformation: Das Rennen wurde mit einer lokalen gelben Flagge fortgesetzt.
Dementsprechend schalteten einige Fahrer sehr schnell und bogen zum Boxenstopp ab. Dazu gehörten auch Lundgaard, David Malukas und Graham Rahal. Palou und Kyle Kirkwood, die an der Spitze den Taktstock schwangen, stoppten nicht und kamen erst in der Safety-Car-Phase rein, die wenig später dann doch noch ausgerufen wurde.
Die Crux: Sie mussten warten, bis das Feld wieder zusammengeführt und die Boxen geöffnet wurden. Aufgrund des Stopps verloren beide mächtig an Boden und die Kräfteverhältnisse kippten komplett. Nach Angaben von Racer.com war Rossi stinksauer, da es nicht sofort die Full-Course-Yellow gab und einige Autos im Affenzahn an ihm vorbeischossen, als er bereits auf der Start-Ziel-Geraden gestrandet war.
Plötzlich fand sich Will Power an der Spitze wieder, der von Platz 25 aus ins Rennen gegangen war. Auf einer alternativen Strategie musste er dann beim nächsten Boxenstop aber die Führung an seinen Penske-Nachfolger Malukas abgeben. Zudem überfuhr er im später die weiße Linie am Boxenausgang und wurde bestraft.
Die Entscheidung an der Spitze fiel in der Schlussphase, als Lundgaard kurzen Prozess mit Malukas machte und diesen überholte. Der 24-jährige Däne übernahm die Führung und gab diese bis zum Fallen der Zielflagge nicht mehr her. Er sicherte sich damit seit Torono 2023 wieder einen Sieg – seinen ersten unter dem McLaren-Banner.
Schumacher spät bestraft
Malukas wurde Zweiter, während Schumacher-Teamkollege Rahal ein solides Wochenende mit Platz drei schmückte. Josef Newgarden wurde Vierter, während es für den Dominator Palou am Ende aufgrund des Boxenstopp-Fauxpass nur für Platz fünf reichte. Kirkwood, der ebenfalls in die Falle getappt war, wurde hinter Dixon, Louis Foster und Dennis Hauger nur Neunter. Nolan Siegel komplettierte die Top 10, Marcus Armstrong wurde Elfter, obwohl da eigentlich ein anderer Name hätte stehen können oder sollen.

Ferrucci und Schumacher kämpften in der Schlussphase um den elften Platz. Als Verfolger war Schumacher mit mehr Push-to-Pass-Sekunden ausgestattet und der Deutsche versuchte alles, um noch eine weitere Position zu gewinnen. Platz zwölf wäre sein persönlich bestes Ergebnis in seiner jungen IndyCar-Karriere geworden, doch der RLL-Pilot wollte mehr.
Das wurde ihm dann aber drei Runden vor dem Ende zum Verhängnis. Ferrucci wurde in Kurve 9 deutlich langsamer als Schumacher, der überrascht wirkte, dem Vordermann ins Heck fuhr und diesen drehte. Die Rennleitung entschied schnell, weshalb der Übeltäter noch vor dem Fallen der Zielflagge eine Durchfahrtsstrafe antreten musste. Schumacher fiel letztlich auf Platz 20 zurück.
Das nächste Rennen der IndyCar Series 2026 ist das legendäre Indy 500 am 24. Mai 2026. Da aktuell 33 Autos gemeldet sind, bahnt sich Historisches an, denn Schumacher wäre der erste Deutsche seit über 100 Jahren, der den IndyCar-Klassiker bestreitet.
IndyNXT: Tymek Kucharczyk siegt
Tymek Kucharczyk hat am Samstag (Rennen 2) auf dem Rundkurs des Indianapolis Motor Speedway seinen ersten Sieg in der IndyNXT eingefahren. Der polnische Rookie im Dienst von HMD Motorsports stürmte beim zweiten Lauf des Grand-Prix-Wochenendes bereits in den ersten beiden Kurven von Startplatz fünf an die Spitze des Feldes. Über die gesamte Distanz von 30 Runden verteidigte er die Führung in einem fehlerfreien, caution-freien Rennen gegen Max Taylor und verkürzte damit den Rückstand in der Meisterschaft auf nur noch elf Punkte hinter Spitzenreiter Nikita Johnson.
„Was für ein besonderer Tag“, jubelte Kucharczyk nach seinem Premierensieg. „Hier zu gewinnen, nachdem ich erst im November meinen ersten Test in einem INDY-NXT-Auto absolviert habe, ist einfach spektakulär.“ Taylor gab sich nach seinem Patzer beim Start selbstkritisch, während Enzo Fittipaldi nach seinem Sieg am Freitag (Rennen 1) diesmal als Dritter das Podium komplettierte. Die Serie zieht nun weiter nach Detroit, wo am 31. Mai die nächste Jagd auf Meisterschaftspunkte in den Häuserschluchten der Motor City ansteht.
Dir hat dieser Artikel gefallen? Journalismus auf Leadlap.de ist und bleibt dauerhaft werbefrei und für alle ohne Bezahlschranke kostenlos. Damit ich dieses Projekt auch in Zukunft unabhängig und in dieser Tiefe betreiben kann, freue ich mich über deine freiwillige Unterstützung. Jeder Beitrag hilft direkt dabei, die Qualität und Vielfalt meiner Berichterstattung zu sichern.
Jetzt Leadlap.de und André Wiegold unterstützen via PayPal
(Hinweis: Freiwilliger Beitrag zur Förderung journalistischer Inhalte, inkl. USt., keine steuerlich absetzbare Spende.)
Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.






Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.