World of Outlaws Dirt Late Model Series: Wer kann Bobby Pierce noch aufhalten?

World of Outlaws Dirt Late Model Series: Wer kann Bobby Pierce noch aufhalten?
Foto: World of Outlaws / Emily Schwanke

Bobby Pierce dominierte die World of Outlaws Late Model Series auf drei unterschiedlichen Strecken – Der Pilot aus Illinois baute seine Siegesserie dank fehlerfreier Manöver auf nun fünf Triumphe aus

Wer kann Bobby Pierce noch aufhalten? Diese Frage stellt sich wahrscheinlich gerade das gesamte Fahrerlager der World of Outlaws Late Model Series. Der 29-jährige Pilot baute seine beeindruckende Siegesserie nach drei weiteren Triumphen auf dem I-94, dem River Cities und dem Nodak Speedway auf fünf Siege in Folge aus.

I-94 Speedway: Der entscheidende Slide-Job

In der ersten Startreihe des Auftaktlaufes kämpfte der 21-jährige Neuling Dallon Murty mit dem 53-jährigen Tim McCreadie um die Führung.

Dieses Generationenduell wurde in der dritten Runde durch einen Reifenschaden an Eli Johnsons Dirt Late Model unterbrochen. Pierce nutzte den anschließenden Restart gnadenlos aus, um in Kurve 2 auf der Außenbahn an McCreadie vorbeizuschießen. Nur eine Runde später erlebte Murty hautnah, wie sich Pierec die Führung mit einem Slide-Job schnappte. Durch dieses Manöver übernahm Pierce die Spitze und gab sie für den Rest des Rennens nicht mehr aus der Hand.

Während Murty durchs Feld nach hinten gereicht wurde, lieferten sich McCreadie und Nick Hoffman einen harten Kampf um Platz zwei, ließen Pierce im weiteren Verlauf des 40-Runden-Rennens aber nicht aus den Augen. Beim letzten Restart, zwei Runden vor Schluss, hatte Hoffman zwar die Nase vorn, konnte dem Führenden beim finalen Sprint ins Ziel jedoch nichts mehr entgegensetzen.

„Ich hatte gesehen, dass Nick die innere Linie fuhr, und ich habe beim letzten Versuch wirklich keinen besonders guten Restart hingelegt“, erklärte Pierce. „Ich hatte das Gefühl, dass die Reifen etwas durchdrehten. Es war schwer, ganz unten an der Streckenbegrenzung das letzte bisschen Traktion zu finden. Ich habe in Kurve 1 etwas defensiver agiert. Das ließ die Sache wohl für eine Sekunde ziemlich spannend aussehen – bis ich den Grip oben im Cushion fand und aus der Kurve schoss.“

Foto: World of Outlaws / Emily Schwanke

River Cities: Der Fluch ist gebrochen

Vor dem Event am Freitag zählte das Bullring-Oval in Grand Forks, North Dakota, eigentlich zu den Schwachstellen von Pierce. Bei drei früheren Auftritten sprangen dort lediglich die Plätze elf, 19 und sechs heraus.

Der Rest des Feldes hatte gehofft, dass eine von Pierces Angststrecken der Ort sein würde, an dem seine unglaubliche Serie abkühlt. Stattdessen nahm sie nur noch weiter Fahrt auf: In Runde 11 schnappte sich Pierce die Führung, blickte nicht mehr zurück und feierte seinen vierten World-of-Outlaws-Sieg in Folge.

„Es ist fantastisch, hier endlich zu gewinnen und einfach ein so starkes Auto zu haben“, freute sich Pierce. „Wir haben gestern lange und intensiv darüber nachgedacht, viel Videomaterial studiert und überlegt, was wir am Setup ändern müssen. Bei den Eigenheiten dieser Strecke und der Art, wie sich der Grip im Laufe des Abends verändert, müssen wir einfach ganz andere Dinge machen als normalerweise.“

Foto: World of Outlaws / Emily Schwanke

Nodak Speedway: Nicht einmal Mutter Natur hat eine Chance

Auch das Wetter konnte Pierces Siegeszug nicht aufhalten. Das Hauptrennen am Sonntagabend dauerte wetterbedingt zwar nur 38 der 50 angesetzten Runden, doch das Ergebnis war dasselbe wie in den vier Rennen zuvor: Die Startnummer 32 lag am Ende ganz vorn.

Dass der Nodak Speedway ihm liegt, bewies der aus Oakwood stammende Pilot bereits bei seinem ersten Besuch im vergangenen Jahr. Damals erlitt sein Auto einen Bremsdefekt und wurde dennoch Zweiter hinter McCreadie. Mit einem dieses Mal voll funktionstüchtigen Pedal startete Pierce das diesjährige Rennen auf der Außenbahn der ersten Startreihe neben Dennis Erb Jr.

In der ersten Kurve waren alle Augen auf den als Dritten gestarteten Ethan Dotson gerichtet, der am Ausgang von Turn 2 vor Erb rutschte. Genau in diesem Moment stach Pierce auf der unteren Linie unter beiden hindurch. Es entbrannte ein spektakulärer Dreikampf, den Pierce für sich entschied, um die Führung zu übernehmen.

Dieses Manöver erwies sich als rennentscheidend, denn niemand konnte dem „Smooth Operator“ im weiteren Verlauf das Wasser reichen. Pierces Vorsprung wuchs auf bis zu 3,5 Sekunden an, bevor er durch eine Gelbphase zunichtegemacht wurde. Doch auch bei den Restarts hatte er keine Mühe, seine Spitzenposition zu verteidigen.

Dunkle Wolken hinter den Kurven 1 und 2 sorgten im Feld für spürbare Dringlichkeit, da die Fahrer wussten, dass das Rennen womöglich vorzeitig beendet werden könnte. Pierce lag weiterhin in Führung, als wegen des langsamer werdenden Autos von Eli Johnson erneut Gelb geschwenkt wurde. Wegen Blitzen in der Umgebung musste das Rennen pausiert werden. Als wenig später starker Regen einsetzte, werteten die Offiziellen den Lauf nach 38 Runden.

Foto: World of Outlaws / Emily Schwanke

Auf Rekordjagd

Der Triumph war Pierces fünfter Streich in Folge und sein 15. Saisonsieg bei den World of Outlaws. Damit ist 2026 schon jetzt die erfolgreichste Saison seiner bisherigen Karriere in dieser Serie – und das, obwohl noch mehr als vier Monate in diesem Jahr auf dem Programm stehen.

Der Allzeitrekord für die meisten Siege in einer einzigen World-of-Outlaws-Saison liegt bei 18. Diese magische Marke wurde bislang nur von Josh Richards (2016) und Brandon Sheppard (2017 und 2019) erreicht.

Hinter Pierce konnte sich Hoffman neun Runden vor dem Abbruch an McCreadie vorbeischieben. Er beendete das Rennen als Zweiter und hielt den Schaden in der Meisterschaftswertung damit so gering wie möglich. McCreadie sicherte sich mit einer beeindruckenden Aufholjagd vom 15. auf den 3. Platz dennoch das Podium, während Erb Jr. und Erb die Top Fünf komplettierten.

Die World of Outlaws Late Model Series reist nun zurück nach Minnesota, wo am Dienstag, den 30. Juni, das Midweek-Special auf dem Norman County Raceway ausgetragen wird.

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.