ARCA-Finale in Kansas: Punktgleich zum Titel – Annunziata gewinnt das Meisterschaftsdrama

ARCA-Finale in Kansas: Punktgleich zum Titel – Annunziata gewinnt das Meisterschaftsdrama
Foto: Ted Malinowski/ARCA Racing

Thomas Annunziata gewann punktgleich den Titel in der ARCA Series vor Jake Bollman – Carson Brown sicherte sich in Kansas seinen vierten Sieg in der ARCA 2026

Das Finalrennen der nationalen ARCA Series hätte nicht mehr Drama bieten können. Ein Ausfall des Meisterschaftskandidaten Jake Bollman führte dazu, dass sich Thomas Annunziata überraschend zum Meister krönte, während Carson Brown beim Saisonfinale 2026 auf dem Kansas Motor Speedway den Rennsieg einfuhr.

Dabei hätte Annunziata ein zweiter Saisonsieg in Kansas allein nicht gereicht. Bollman musste im Menards 150 lediglich Platz zehn oder besser erreichen – unabhängig von Annunziatas Ergebnis –, um eine sieglose, aber konstante Saison mit dem ARCA-Meistertitel abzuschließen. Doch es kam anders: Annunziata profitierte vom bitteren Pech seines Konkurrenten.

Der 19-jährige Bollman war als Meisterschaftsführender in das letzte Saisonrennen gestartet und lag auf Rang acht, als sich direkt vor ihm die rote Startnummer 69 von Will Kimmel drehte. Bollman konnte nicht mehr ausweichen und schlug voll ein. Da der erste Einschlag nur mittelhart war, hätte mutmaßlich noch die Möglichkeit bestanden, seinen Toyota Camry zu reparieren. Doch Austin Vaughn traf den havarierten Wagen ein zweites Mal, was Bollmans Rennen endgültig beendete.

Zwar zeigte sich der Nitro-Motorsports-Pilot nach dem Unfall zunächst zuversichtlich und versprühte im Interview mit den Worten „Es gibt noch eine Chance“ Optimismus, doch das Glück lag an diesem Tag auf der Seite von Annunziata.

„Mein einziges Ziel vor dem Rennen war es, Spaß zu haben und zu akzeptieren, dass ich ohnehin nicht viel ausrichten konnte“, erklärte Annunziata seine Herangehensweise. „Ich hatte das Thema eigentlich schon eine Woche zuvor, direkt nach Bristol, abgehakt. Ich wollte mir einfach nur die Chance auf den Sieg erarbeiten. Alles andere hat sich danach einfach so ergeben.“

Punktegleichstand: Der Tie-Breaker entscheidet

Annunziata kam auf Rang fünf ins Ziel, während Bollman als 21. gewertet wurde. Diese dramatischen Umstände sorgten dafür, dass beide Piloten die Saison mit exakt 947 Punkten beendeten. Im Kampf um den Titel kam somit der sogenannte Tie-Breaker – der direkte Vergleich der Saisonsiege – zum Einsatz. Da Annunziata in Limerock Park gewonnen hatte und Bollman sieglos blieb, ging die Meisterschaft an den Außenseiter.

„In den letzten 20 Runden habe ich endlich verstanden, wo ich auf der Strecke sein musste“, so Annunziata. „Alle waren ruhig und blieben entspannt. Ich hatte zwischendurch ein wenig die Orientierung verloren, wo ich überhaupt stand, und fing an, im Kopf nachzurechnen. Ich wusste nicht, ob Bollman Letzter war oder nicht. Ich lag auf Platz neun oder zehn und hatte Schäden am Auto, nachdem er und ich uns berührt hatten. Aber manchmal passieren märchenhafte Dinge.“

Vom Rundkurs-Spezialisten zum Oval-Champion

Noch vor einem Jahr wäre Annunziata über die Vorstellung, ARCA-Champion zu werden, selbst am meisten verblüfft gewesen. Der ausgewiesene Rundkurs-Spezialist mit einigen Siegen in der Trans-Am-Meisterschaft begann erst 2023 mit dem Oval-Rennsport. 

Angesichts eines ARCA-Kalenders, der Short-Tracks, Intermediate-Ovale, Superspeedways und sogar zwei Dirt-Tracks umfasst, wusste Annunziata, dass ein hartes Stück Arbeit vor ihm lag, um überhaupt konstant mitzufahren.

„Mir fehlten in meiner Entwicklung all die Jahre der Oval-Erfahrung“, blickte der frischgebackene Meister zurück. „Als ich in die Saison ging, wusste ich, dass ich das Fahren auf Ovalen erst noch lernen muss. Ich weiß, dass ich auf Straßenkursen sehr stark bin und was ich dort brauche. Auf einem Oval wusste ich das anfangs nicht. Man muss wissen, was man vom Auto verlangt, und das dem Team kommunizieren können. Ich wusste, dass ich das Talent dazu habe – ich wusste anfangs nur nicht, was ich da eigentlich tue.“

Carson Brown triumphiert vor Gio Ruggiero

Während sich das Meisterschaftsdrama abspielte, dominierte Gio Ruggiero weite Teile des Rennens. Doch eine späte Gelbphase – ausgelöst durch einen Zwischenfall mit Landon  Huffman – gab Brown die Chance, die Lücke zu schließen und einen finalen Sprint um die Zielflagge einzuläuten.

Als die weiße Flagge für die letzte Runde geschwenkt wurde, setzte sich Brown auf die Außenbahn neben Ruggiero. Durch dieses Manöver konnte er mehr Schwung durch Kurve eins mitnehmen und die Führung erobern. Er setzte sich ab und fuhr mit 0,512 Sekunden Vorsprung seinen vierten Saisonsieg 2026 ein.

Brown, der den spektakulären Rennsieg holte, zeigte sich beim anschließenden Interview jedoch auch etwas wehmütig. „Es ist sehr bittersüß, die Zeit bei der Pinnacle Racing Group auf so einem Höhepunkt zu beenden“, sagte Brown, der kürzlich für die kommende Saison als Fahrer der Startnummer 2 bei Richard Childress Racing in der NASCAR O’Reilly Auto Parts Series bestätigt wurde. „Ich bin wirklich begeistert, diesen Chevrolet zum ersten Mal in die Victory Lane gebracht zu haben – und hoffentlich folgen noch weitere.“

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.