Das Wunder von Elkhart Lake: Christian Lundgaard stürmt vom letzten Platz zum IndyCar-Sieg

Das Wunder von Elkhart Lake: Christian Lundgaard stürmt vom letzten Platz zum IndyCar-Sieg
Foto: Penske Entertainment: Chris Jones

Christian Lundgaard hat beim Rennen auf der geschichtsträchtigen Rennstrecke von Road America einen schier unmöglichen Sieg eingefahren – Nach einer Kollision in der ersten Runde kämpfte sich der Däne vom absolut letzten Platz durch das gesamte Feld bis ganz nach vorne

Der dänische Rennfahrer Christian Lundgaard hat am Sonntag den dramatischen IndyCar-Rennen auf der legendären Naturrennstrecke von Road America in Elkhart Lake gewonnen. Nach einer Kollision in der ersten Runde kämpfte sich der Arrow-McLaren-Pilot vom letzten Platz des 25 Autos starken Feldes sensationell bis ganz nach vorne. Das spektakuläre Rennen über 55 Runden endete nach einem späten Unfall in der berüchtigten Canada Corner unter gelber Flagge.

Direkt nach der Zieldurchfahrt konnte es der Sieger selbst kaum fassen. Über den Teamfunk fragte Lundgaard ungläubig in Richtung seiner Boxencrew: „Wie verdammt noch mal haben wir das angestellt?“

Für den Dänen war es der insgesamt dritte Sieg seiner IndyCar-Karriere und der zweite Saisonerfolg im Jahr 2026. Mit einer geschickten Strategie der Arrow-McLaren-Mannschaft, purer Pace und dem nötigen Quäntchen Rennglück drehte Lundgaard ein scheinbar verlorenes Wochenende komplett um.

Dabei sah es in der ersten Runde nach einem Desaster aus. Nach einer Berührung mit Scott Dixon in der ersten Kurve war der Frontflügel an Lundgaards Boliden beschädigt und ein Reifen platt. Bereits in der zweiten Runde musste er die Box ansteuern, wo die Mechaniker in Windeseile die Nase wechselten und die Strategen das Rennen komplett auf den Kopf stellten.

Penske Entertainment: Paul Hurley

„Ich wusste, dass wir eine Chance haben würden“, gab sich Lundgaard nach dem Rennen kämpferisch. „Ich wusste genau, wie dieses Rennen im vergangenen Jahr gelaufen ist und dass es einfach nur darum ging, irgendwie im Spiel zu bleiben. Vergangenes Jahr habe ich selbst noch eine Menge Fehler gemacht und uns weggedreht – dafür wollte ich mich heute einfach entschuldigen. Wir waren das ganze Wochenende über absolut im Hintertreffen, deshalb muss ich dem Team unendlich dafür danken, dass wir das Ruder noch herumgerissen haben.“

Hinter dem Dänen sicherte sich David Malukas im Penske-Chevrolet den zweiten Platz, gefolgt von Will Power im Andretti-Honda. Das bittere Drama des Tages erlebte jedoch Marcus Armstrong, der das Rennen bis kurz vor Schluss souverän anführte, ehe ihn die Technik im Stich ließ. In Runde 52 rollte der Neuseeländer aus und übergab die Führung kampflos an Lundgaard.

„Es lief alles absolut reibungslos“, zeigte sich Armstrong nach dem Rennen völlig geknickt. „Ich kam aus Kurve 6 heraus und plötzlich fing der Motor an zu stottern, als ob der Sprit alle wäre. Aber das war definitiv nicht der Fall. Dann ist er einfach komplett abgestorben, ohne dass sich vorher irgendein Problem angekündigt hätte.“

Durch den Ausfall überschlugen sich die Ereignisse. Armstrongs gestrandeter Bolide löste eine späte Gelbphase aus, die in einen finalen Ein-Runden-Sprint zur Zielflagge mündete. Beim Restart kam es hinter Lundgaard zu einer heftigen Kollision zwischen Will Power und Graham Rahal im Kampf um Platz drei, bei der Rahal im Kiesbett landete und das Rennen neutralisiert beendet wurde.

Pole-Setter Alex Palou wurde nach einer Durchfahrtsstrafe wegen Speedings in der Boxengasse am Ende noch Fünfter und verteidigt damit seine klare Tabellenführung vor Malukas.

Unterbau: Das IndyNXT-Wochenende

Im Schatten der IndyCar-Giganten erlebte die Nachwuchsserie IndyNXT in Road America ein Wochenende der absoluten Premieren und nachträglichen Disqualifikationen. Im ersten Rennen am Samstag erlöste sich der Australier Lochie Hughes im Andretti-Boliden mit seinem ersten Saisonsieg. Nach einem von vielen Gelbphasen geprägten Start ging Hughes in Runde 9 außen in Kurve 1 in Führung und gab diese bis zum Ziel nicht mehr ab.

„Ich bin im Moment einfach nur super glücklich“, strahlte Hughes nach der Zieldurchfahrt. „Das war bis hierhin gefühlt die schlimmste Saison meines Lebens. Ich weiß, mein Name ist Lochie, aber ich fühle mich gerade eher wie Rocky, weil ich dieses Jahr schon so viele Tiefschläge einstecken musste. Man sagt ja, Verlierer geben ihr Bestes, aber Gewinner gehen mit der Ballkönigin nach Hause – und wir haben heute die Ballkönigin bekommen.“

Am Sonntag folgte dann das dicke Ende am grünen Tisch. Alessandro de Tullio überquerte die Ziellinie im Foyt-Auto eigentlich als Erster vor Matteo Nannini. Bei der technischen Nachkontrolle stellte sich jedoch heraus, dass die Teams die Qualifying-Reifen von de Tullio und seinem Teamkollegen Nicholas Monteiro vertauscht hatten. Beide Foyt-Piloten wurden disqualifiziert, wodurch der Italiener Nannini erlösend zu seinem zweiten Karriere-Sieg befördert wurde.

„Wir sind endlich da, wo wir hingehören“, bilanzierte ein erleichterter Nannini nach der Bekanntgabe des Urteils. „Es war ein wirklich harter Start in diese Saison. Ich freue mich unglaublich für mein Team, die Sponsoren und alle, die involviert sind. Hoffentlich war das nur der erste von noch vielen weiteren Siegen.“

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.