Elf Sekunden Vorsprung: Denny Hamlin sichert sich Sieg in Michigan
Denny Hamlin gewann trotz einer Strafversetzung das Rennen der NASCAR Cup Series in Michigan – Mit seinem historischen Sieg zog er in der ewigen Bestenliste mit dem verstorbenen Kyle Busch gleich
Das Rennen der NASCAR Cup Series in Michigan war ohne Zweifel von einer Zahl geprägt: der Elf. Mit exakt 11,11 Sekunden Vorsprung sicherte sich Denny Hamlin in der Startnummer 11 von Joe Gibbs Racing nach elf Gelbphasen den Sieg auf dem zwei Meilen langen Oval.
Damit hat er nun – passenderweise elf Läufe vor dem Ende der regulären Saison – seinen 63. Karriereerfolg in der Tasche. Doch bei seiner Siegesfahrt standen eigentlich ganz andere Nummern im Vordergrund.
Tribut für Kyle Busch
Es waren die 8 und 18 von Kyle Busch. Mit einer schwarzen Flagge, auf der die langjährige Startnummern und die Unterschrift der plötzlich verstorbenen NASCAR-Legende prangten, widmete Hamlin seinen zweiten Sieg in Folge dem zweimaligen Meister. Der Grund dafür war historischer Natur: Mit seinem 63. Triumph zog Hamlin in der ewigen Siegerliste der nordamerikanischen Stock-Car-Serie mit Busch gleich und belegt gemeinsam mit ihm den neunten Rang.

„Ein großartiges Auto, einfach unglaublich“, bedankte sich Hamlin nach der Zieldurchfahrt bei seiner Crew. Zuvor hatte er sich souverän gegen seinen Toyota-Markenkollegen Erik Jones durchgesetzt. „Beim letzten Stint habe ich einfach alles in die Waagschale geworfen. Ich hatte ein paar gute Restarts, und sobald ich in Führung lag, habe ich alles gegeben.“
„Die Winterpause war extrem hart für mich und für die gesamte NASCAR-Familie“, fuhr Hamlin sichtlich bewegt fort. „Wir haben viele Menschen verloren. Diese Woche trauern wir um ‚Gentleman‘ Ned Jarrett, und meine Gedanken sind weiterhin bei Kyle, seiner Frau Samantha sowie den Kindern Brexton und Lennix. Ich bin einfach unendlich dankbar, mich jede Woche anschnallen zu dürfen, und betrachte diese Chance nicht als selbstverständlich. Ich liebe es, dass wir das Beste daraus machen.“
Dabei war der Weg zu diesem emotionalen Sieg alles andere als einfach. Aufgrund unerlaubter Änderungen am Auto war der Alterspräsident gezwungen, das Rennen vom Ende des Feldes in Angriff zu nehmen. Im ersten Segment kämpfte er zudem mit schwerem Übersteuern, bevor er seine Aufholjagd startete.

Erstes DNF für Tyler Reddick
Dieser Triumph – gepaart mit der hohen Punkteausbeute – hatte massive Auswirkungen auf die Meisterschaftstabelle. Hamlin konnte den Rückstand auf den Gesamtführenden Tyler Reddick nahezu halbieren und liegt nun nur noch 51 Punkte zurück.
Reddick, der für Hamlins eigenes Team 23XI Racing fährt, erlebte einen rabenschwarzen Tag: Nach einer heftigen Kollision, in die insgesamt neun Fahrzeuge verwickelt waren, und einem weiteren Kontakt mit Austin Dillon musste er das Rennen das erste Mal in dieser Saison vorzeitig beenden.

Harter Einschlag für Bell und Elliott
Für einen weiteren Schreckmoment sorgte ein heftiger Zusammenstoß zwischen Hamlins Teamkollegen Christopher Bell und Chase Elliott in der Startnummer 9, die hart um die zweite Position kämpften.
Der Zwischenfall, zog eine rote Flagge nach sich aufgrund der immensen Beschädigung der Außenmauer. Beim Rad-an-Rad-Duell brach Elliotts Hendrick-Motorsports-Chevrolet aus und krachte hart in den Toyota von Bell, der darauf mit viel Kraft in die Wand einschlug.
„Es war völlig meine Schuld. Es tut mir unendlich leid für Christopher“, räumte Elliott ein, der zuvor das zweite Rennsegment gewonnen und mit 67 Runden die meisten Führungsrunden gesammelt hatte.

„Ich wollte die frischen Reifen nutzen, um zumindest auf Platz zwei vorzufahren und hoffentlich neben ihm zu bleiben“, erklärte er den Unfallhergang. „Als ich in die Kurve gefahren bin, wurde das Auto plötzlich unruhig. Ich dachte schon, ich würde mich drehen, und hatte mich eigentlich schon darauf eingestellt.
Doch in dem Moment, als ich den Dreher akzeptierte, fand das Auto wieder Grip, zog scharf nach rechts und schickte Christopher leider extrem hart in die Mauer. Ich bin kurz darauf hinterhergeflogen.“
„Es war einfach extrem hartes Racing“, resümierte der Pilot aus Georgia. „Ich hatte das Gefühl, dass es ein Wendepunkt im Rennen war und ich etwas riskieren musste. Dabei habe ich die Grenze überschritten und den Preis dafür bezahlt.“
„Ich habe ihm direkt gesagt, dass es mir leidtut. Es war natürlich keine Absicht, aber mir war klar, dass es für uns beide ein massiver Einschlag war. Er hat ehrlich gesagt die Hauptlast getragen, mit zwei wirklich heftigen Treffern. Ich habe großen Respekt vor Bell und finde, dass wir auf der Strecke immer respektvoll miteinander umgehen. So etwas wünscht man niemandem.“

Weitere Untersuchungen für Bell
Joe Gibbs erklärte, dass Bell in North Carolina weiter untersucht werden soll, um die Folgen des Unfalls einzuschätzen. Laut Informationen des Teambesitzers seien Handgelenk und Knöchel betroffen.
„Wir werden uns heute Abend weiter darum kümmern, sobald er zu Hause ist, und sicherstellen, dass er alles Nötige bekommt, um wieder auf die Beine zu kommen“, sagte Gibbs. „Was auch immer das sein mag. Vorerst müssen wir einfach abwarten.“
Beide kletterten ohne offensichtliche Probleme aus ihren komplett zerstörten Autos und wurden im medizinischen Zentrum der Strecke untersucht. Bell äußerte sich allerdings nicht vor den Medien.
Neben den beiden Unfällen, die die Spitze der Meisterschaft beeinflussten, wurden auch die Plätze im Kampf um den Einzug in den Chase durcheinander gewirbelt.
Rund um die Bubble trennen Shane van Gisbergen auf Platz 14 und Joey Logano auf Rang 17 nun gerade einmal 26 Punkte.
In der kommenden Woche zieht die NASCAR Cup Series zu einem weiteren Traditionskurs weiter. Auf dem legendären 2,5-Meilen-Tri-Oval des Pocono Raceways in Pennsylvania steht am Sonntag das „Great American Getaway 400“ um 21 Uhr auf dem Programm.
Dir hat dieser Artikel gefallen? Journalismus auf Leadlap.de ist und bleibt dauerhaft werbefrei und für alle ohne Bezahlschranke kostenlos. Damit ich dieses Projekt auch in Zukunft unabhängig und in dieser Tiefe betreiben kann, freue ich mich über deine freiwillige Unterstützung. Jeder Beitrag hilft direkt dabei, die Qualität und Vielfalt meiner Berichterstattung zu sichern.
Jetzt Leadlap.de und André Wiegold unterstützen via PayPal
(Hinweis: Freiwilliger Beitrag zur Förderung journalistischer Inhalte, inkl. USt., keine steuerlich absetzbare Spende.)
Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.






Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.