Nervenschlacht im Oval: Josef Newgarden triumphiert beim Wetter-Thriller in Madison
Regen, Rote Flaggen und strategisches Benzin-Glücksspiel machten das IndyCar-Rennen von Madison zu einer echten Geduldsprobe – Am Ende behielt Josef Newgarden im packenden Schlussspurt die Nerven und feierte einen historischen Erfolg
Josef Newgarden hat am Sonntag das turbulente IndyCar-Rennen auf dem Gateway-Oval nahe St. Louis gewonnen. Der US-Amerikaner setzte sich in einem von Regenunterbrechungen und strategischem Chaos geprägten Rennen im packenden Finale gegen Marcus Ericsson durch. Nach 260 Runden auf dem 1,25 Meilen langen Ei-Oval überquerte der Penske-Pilot die Ziellinie mit einem hauchdünnen Vorsprung von 0,6613 Sekunden. Für Newgarden war es der 34. Sieg seiner Karriere und bereits der sechste Erfolg auf dieser Strecke.
Von der Pole-Position aus dominierte zunächst Alex Palou das Geschehen, der das Feld in der Anfangsphase souverän kontrollierte. Doch der Spanier geriet beim Überholen von Nachzüglern in Bedrängnis, was Marcus Ericsson eiskalt ausnutzte. Der schwedische Andretti-Pilot ging in Runde 47 in Führung und drückte dem Rennen fortan seinen Stempel auf. Ericsson führte das Feld über weite Strecken an und sammelte insgesamt 114 Führungsrunden.
Das erste dicke Ausrufezeichen hinter das Thema Sicherheit setzte Nolan Siegel, dessen heftiger Einschlag in die Mauer der ersten Kurve nach einer Berührung mit Palou die erste Gelbphase auslöste. Kurz darauf öffnete der Himmel seine Schleusen, was die Rennleitung in Runde 137 zu einer 38-minütigen Rennunterbrechung zwang. Nach dem Neustart entwickelte sich ein strategisches Pokerspiel um den Spritverbrauch.
Das Wetter blieb der entscheidende Regisseur an diesem Abend, denn kurz vor dem Finale sorgte ein erneuter Schauer für die zweite Rote Flagge. Nach einer 14-minütigen Pause überschlugen sich die Ereignisse in der Boxengasse. Scott Dixon musste zum Notdienst abbiegen, während dem neuen Führenden Alex Palou direkt auf der Boxenstraße der Sprit ausging. Newgarden nutzte das Durcheinander, gewann das Ausfahren aus der Boxengasse und übernahm das Kommando.
Die Schlussphase geriet zu einem echten Open-Wheel-Krimi, in dem auch Rookie Christian Rasmussen im Ed-Carpenter-Boliden plötzlich an der Spitze mitmischte. Rasmussen attackierte Newgarden mutig und ging kurzzeitig in Führung, ehe sich die Routine des Penske-Piloten durchsetzte. 35 Runden vor dem Ende schnappte sich auch Ericsson wieder den zweiten Platz und blies zur Jagd auf den Führenden.
In den letzten 26 Runden nach der finalen Gelbphase, ausgelöst durch eine Rauchwolke am Auto von Caio Collet, hielt Newgarden dem massiven Druck von Ericsson stand. Der Schwede saugte sich bis auf drei Zehntelsekunden an das Heck des Penske-Rennwagens heran, fand aber keinen Weg mehr vorbei. Hinter dem Spitzenduo krönte Rasmussen seine furiose Aufholjagd von Startplatz 21 mit dem sensationellen dritten Platz.
Rinus VeeKay rettete für Juncos Hollinger Racing den vierten Platz ins Ziel. Dahinter komplettierte Scott McLaughlin nach einer späten Aufholjagd auf frischen Reifen die Top 5.
IndyNXT auf dem Oval
In einem historischen Rennen auf dem World Wide Technology Raceway stürmte Myles Rowe vom 24. und letzten Startplatz bis ganz nach vorne zum Sieg. Nach einem Kommunikationsproblem im Qualifying ans Ende des Feldes versetzt, zeigte Rowe im #99 Auto von Abel Motorsports eine spektakuläre Aufholjagd, die den weitesten Weg zum Sieg in der 40-jährigen Geschichte der IndyNXT-Serie markiert. Durch kluge Reifenverwaltung und aggressive Überholmanöver – darunter ein atemberaubendes Threewide-Manöver in Runde 41 – übernahm er schließlich in Runde 47 die Führung von Josh Pierson und verteidigte diese bis ins Ziel vor Rookie Alessandro de Tullio.
Das turbulente Rennen lieferte mit 229 Überholmanövern einen neuen Streckenrekord und wirbelte auch die Meisterschaftstabelle kräftig durcheinander. Durch einen siebten Platz übernahm der Rookie Nikita Johnson die Gesamtführung knapp vor Enzo Fittipaldi, der sich nach technischen Problemen ebenfalls stark vom Ende des Feldes auf Platz 13 vorkämpfen musste, und Tymek Kucharczyk. Nach diesem packenden Oval-Rennen pausiert die Serie kurz, bevor am 20. und 21. Juni das nächste Rennwochenende mit einem Doppelrennen auf der berühmten Straßenstrecke von Road America in Wisconsin ansteht.
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.





