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NASCAR vor 50 Jahren: Über Glimmstängel und den Rückzug der Werke

Jgarrett71 / Wikimedia Commons

Vor genau 50 Jahren brach mit dem Winston Cup eine neue NASCAR-Ära an – Jedoch zogen sich gleichzeitig zahlreiche Marken aus dem Sport zurück

Im Jahr 1971 wurde mit einem brandneuen Sponsoring frisches Geld in die Kassen von NASCAR gespült und damit eine neue Ära eingeläutet. Die Zigarettenmarke Winston zog als Namensgeber in den Sport ein, um ihre Produkte zu bewerben. Das war die Geburt des Winston Cups, der die vorigen Namen – Strictly Stock Series und Grand National Series – ablöste.

Doch was machte den NASCAR-Sport für die R.J. Reynolds Tobacco Company eigentlich so attraktiv? Es regte sich Widerstand gegen Tabakwerbung in den USA und Spots im Fernsehen wurden verboten, weshalb es für das Unternehmen nicht mehr so einfach war, gezielte Kampagnen zu fahren. Die NASCAR sollte als neue Werbeplattform dienen und die Glimmstängel der Marke Winston unters Volk bringen.

Der Tabakkonzern fuhr große Geschütze auf und baute ein umfangreiches Marketingkonzept auf – inklusive Merchandising für die Fans an der Strecke. Die R.J. Reynolds Tobacco Company blieb NASCAR bis 2003 treu und wurde dann von Nextel (später Sprint), einem Kommunikationsunternehmen, als Titelsponsor abgelöst.

Hersteller wenden sich ab

Während Winston also mit Geld bepackt in den Sport einstieg, ging es vielen werksunterstützten Teams an den Kragen. Viele Marken, darunter die Chrysler Corporation, verkleinerten ihr Engagement oder strichen die Werksunterstützung sogar komplett. Champion des Jahres 1970 Bobby Isaac und der zweitplatzierte Bobby Allison wurden nicht mehr vom Hersteller unterstützt. Chrylser-Strippenzieher Gayle Porter sagte damals: “Wir mussten das Programm kürzen, wir hatten keine andere Wahl.”

Statt sechs Teams setzte Chrysler nur noch auf zwei Fahrzeuge, einen Plymouth und einen Dodge, gefahren von Richard Petty und Buddy Baker. Den Ford-Teams erging es noch schlechter: Die Marke entschied sich, der Stockcar-Welt den Rücken zu kehren, um direktes Marketing zu betreiben. NASCAR habe, so hieß es damals seitens Ford, ihren Nutzen erbracht, aber es sei Zeit für etwas Neues.

Der Ford-Rückzug hatte auch für NASCAR-Legende Cale Yarborough große Konsequenzen. Der Rennfahrer aus Timmonsville in South Carolina, der später dreimal in Folge NASCAR-Champion werden sollte (1976, 1977 und 1978), entschied sich gegen einen Vollzeitstart im Winston Cup und konzentrierte sich auf die damalige USAC-IndyCar-Serie. Das alles geschah noch vor dem Saisonstart am 10. Januar auf dem Rundkurs in Riverside, Kalifornien.

Der Rückzug zeichnete sich bereits Ende der 1960er-Jahren ab. Die Konzerne zogen sich nach einem intensiven Kampf der Werke sukzessive aus dem NASCAR-Sport zurück. Das Einstampfen der Werkseinsätze fand In der Saison 1971 ihren Höhepunkt.

Richard Petty holt den Titel

Das erste Rennen des Jahres gewann Teilzeit-Rennfahrer und Vollzeitfarmer Ray Elder. In seinem Dodge kam er zwölf Runden vor Schluss an Bobby Allison vorbei, um sich zum ersten Sieger in der Winston-Cup-Ära zu krönen. Das Daytona 500 fand am 14. Februar statt – also genau 50 Jahre vor dem Saisonstart 2021 – und wurde von Richard Petty gewonnen.

Doch die Saison war aufgrund der Ausstiege der Werke eine sehr chaotische: Wegen der Krise bekamen zahlreiche Stars keine Cockpits, was dem Wettbewerb im ersten Winston Cup der Geschichte schadete. Auf dem Atlanta International Raceway fuhren Richard Petty und Bobby Allison Kreise um die Konkurrenz. Der Drittplatzierte war so langsam, dass er neun Runden Rückstand hatte. Selbst der Mercury der Wood Brothers auf Platz sechs lag ganze zwölf Runden zurück.

In 21 von 48 Rennen kam der Sieger alleine in der Führungsrunde ins Ziel – ein heute völlig undenkbares Szenario. Beim Darlington Rebel 400 hatte der Sieger sogar ganze sieben Runden Vorsprung auf seinen “engsten” Verfolger. Buddy Baker gewann damals im Dodge vor seinem Markenkollegen Dick Brooks.

Beim Finale auf dem Texas World Speedway sicherte sich Richard Petty seinen 21. Saisonsieg, um sich zum dritten Mal in seiner Karriere zum NASCAR-Champion zu krönen – “The King” holte später vier weitere Meisterschaftssiege. Der zweitplatzierte James Hylton hatte 364 Punkte Rückstand auf den Meister, während Bobby Allison hinter Cecil Gordon Vierter wurde. Elmo Langley komplettierte in der verrückten Saison 1971 die Top 5. Nur vier Fahrer – Petty, Hylton, Gordon und Langley – bestritten in diesem Jahr 46 Rennen.

Bildquelle:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ona_Speedway_1971.png?uselang=de (Foto für Teaser geschnitten, Credits: Jgarrett71, Lizenz: Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international

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