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NASCAR-Weekly: Drei Debütanten in der Victory Lane von Daytona

James Gilbert/Getty Images

Die ersten zwei Rennwochenenden der NASCAR-Saison 2021 sind in den Büchern – Die Rennen in Daytona brachten überraschende Sieger hervor

NASCAR Cup Series (von: André Wiegold)

Die NASCAR-Saison 2021 ist endlich eröffnet: Die ersten beiden Rennwochenenden der neuen Meisterschaft fanden beide auf dem Daytona International Speedway statt. Während das Daytona 500 traditionell auf dem 2,5-Meilen-Oval gefahren wurde, ging der zweite Saisonlauf auf dem NASCAR-Rundkurs über die Bühne. In der NASCAR Cup Series gab es mit Michael McDowell und Christopher Bell zwei Überraschungssieger.

Das Daytona 500 fand am 14. Februar statt und startete fulminant. In Runde 14 gab es bereits den ersten Big-One, der viele Favoriten aus dem Rennen riss. Ganze 16 Autos wurden in dem Massencrash beschädigt. Hätte der Wettergott mehr Gnade gehabt, hätte er diesen Unfall verhindert, denn das Rennen musste nur wenige Sekunden nach dem Zwischenfall wegen Blitzen in der Region und aufkommenden Schauern für mehr als fünf Stunden unterbrochen werden.

Nach der Zwangspause ließen es die verbliebenen Cup-Fahrer deutlich ruhiger angehen. Im Single-File spulten sie Runde für Runde ab, weshalb keine echte Spannung aufkam. Denny Hamlin gewann die beiden Stages und sicherte sich so wichtige Bonuspunkte in der Meisterschaft.

Erst gegen Rennende ging dann noch einmal die Post ab: Erst verzockten sich die Toyota-Fahrer an der Box mit der Strategie, weshalb sie nicht geschlossen auf das Feld aufschließen konnten. Und dann gab es noch das typische Daytona-Chaos in der letzten Runde.

Die beiden Penske-Fahrer führten das Rennen an, doch McDowell gab Brad Keselowski einen Push von hinten. Der erwischte anschließend seinen Teamkollegen Joey Logano im ungünstigen Winkel am Heck, wodurch der zweite Big-One ausgelöst wurde. Während mehrere Autos, darunter Kyle Busch, mit kaltverformt wurden, gewann McDowell für Front Row Motorsports das Rennen unter Gelb.

Credits: Brian Lawdermilks / Getty Images

Für ihn war es im 358. Cup-Rennen der erste Sieg überhaupt. Außerdem gehört McDowell jetzt zu acht Fahrern, die ihren ersten Cup-Triumph beim Daytona 500 geholt haben. Die anderen sieben sind Trevor Bayne (2011), Michael Waltrip (2001), Sterling Marlin (1994), Derrike Cope (1990), Pete Hamilton (1970), Mario Andretti (1967) und Tiny Lund (1963). Hamlin verpasste es, mit einem dritten Daytona-500-Sieg Geschichte zu schreiben. Er bleibt bei zwei Siegen in Folge – ein Kunststück, das auch Richard Petty (1973, 1974), Cale Yarborough (1983, 1984) und Sterling Marlin (1994, 1995) gelang.

Daytona-Rundkurs sorgt für eine Menge Action

Eine Woche später fand der zweite Saisonlauf auf dem Daytona-Rundkurs statt. Im Fokus stand NASCAR-Champion Chase Elliott, der bis dato vier Rundkurs-Rennen in Folge gewonnen hatte. Der Hendrick-Pilot war auf der Jagd nach dem Rekord von Jeff Gordon, der in seiner Karriere ganze sechs Rennen auf Rundkursen in Folge gewonnen hat.

Anfangs lief alles für den 25-Jährigen nach Plan: Elliott übernahm von der Pole-Position aus die Führung und spulte eine Leadlap nach der anderen ab. Er gewann außerdem die erste Stage, die ihn wichtige Bonuspunkte einbrachte. Das zweite Segment ging hingegen an Denny Hamlin, der damit bereits seinen dritten Stage-Sieg in der Saison 2021 feiern durfte. Dennoch schienen alle Zeichen auf einen Elliott-Sieg hinzudeuten.

Der Fahrer aus Dawsonville hatte letztlich eine Menge Pech: Er kam 15 Runden vor unter Gelb an die Box, während einige Piloten draußen blieben. Elliott fiel aufgrund eines langsamen Stopps auf Rang 15 zurück. Dann krachte es beinahe, doch Elliott schaffte es, den Dreher zu verhindern. Nur wenige Runden hatte der Hendrick-Fahrer weniger Glück. Er drehte sich beim Versuch, Keselowski zu überholen und verlor so viele Positionen.

Damit ist der Traum von mehr als sechs Rundkurs-Siegen in Folge erst einmal geplatzt. Da in der Saison 2021 noch sechs Rundkurs-Rennen ausstehen, kann Elliott theoretisch noch in diesem Jahr mit Gordon gleichziehen, sollte er denn alle Läufe gewinnen. Der Champion hat bewiesen, ein echter Spezialist für diesen Streckentyp zu sein.

Credits: James Gilbert/Getty Images

In den letzten Runden des Rennens gab Logano den Takt an. Der Penske-Pilot hatte aber keine Chance, den heranstürmenden Gibbs-Fahrer Bell aufzuhalten. Der 26-Jährige übernahm die Führung und sicherte sich in seinem 38 Cup-Rennen seinen ersten Sieg. Seit 1950 war es das erste Mal, dass es in den ersten zwei Saisonrennen zwei Premierensieger gab. Damals waren es Harold Kite und Tim Flock.

Neben der Strecke musste NASCAR das Fehlverhalten von Chip Ganassi bestrafen. Der Teamchef brachte eine “nicht essentielle Person” mit ins Fahrerlager, weshalb er von NASCAR zu rund 25.000 Euro Strafe verdonnert wurde. Außerdem wurde Ganassi für das kommende Rennen auf dem Homestead-Miami Speedway am 28. März (live auf MotorvisionTV mit Pete Fink und mir an den Mikrofonen) gesperrt.

Steve Letarte wird für das Homestead-Rennen an den Kommandostand zurückkehren. Der ehemalige Crew-Chief von Dale Earnhardt Jr. ist bei NBC als Kommentator und Analyst tätig, berät aber auch das junge NASCAR-Team Spire Motorsports. Da Ryan Sparks aufgrund des COVID-19-Protokolls in Homestead nicht an die Strecke darf, wird Letarte als Crew-Chief von Corey Lajoie einspringen.

NASCAR Xfinity Series (von: André Wiegold)

Die NASCAR Xfinity Series startete wie die Cup-Series auf dem Superspeedway in Florida in die neue Saison. Am Samstag ging der Saisonauftakt über die Bühne, der durch viele Zwischenfälle und einem spannenden Kampf um den ersten Platz geprägt wurde. Sieger war letztlich der aktuelle Champion Austin Cindric in seinem Penske-Ford.

Der erste Fahrer mit Problemen war Josh Williams, der in Runde elf mit einem Reifenschaden die zweite Caution des Rennens auslöste. Einige Runden später gewann Brandon Jones im Fotofinish gegen Riley Herbst die erste Stage. Moffitt gewann das zweite Segment, während Jones nur wenige Meter vor der Ziellinie in den Rasen geschubst wurde. Cody Ware krachte heftig in das havarierte Auto von Jones, was sein Rennen beendete.

Credits: Chris Graythen/Getty Images

45 Runden vor dem Ende gab es den nächsten Zwischenfall. Michael Annett und Chad Finchum gerieten aneinander und triggerten so den Big-One. Zu den leidtragenden gehörte auch Titelkandidat Noah Gragson im JR-Motorsports-Chevrolet.

16 Runden vor Schluss wurde Ty Dillon gedreht, weshalb es zum nächsten Massencrash kam. Wieder waren zahlreiche Autos in den Unfall verwickelt. Nur wenige Runden später wurde Landon Cassill in die Mauer gedrückt, weshalb das Pace-Car erneut ausrücken musste. Letztlich setzte sich Cindric in der Overtime gegen seine Konkurrenten durch.

Das zweite Rennen der Saison 2021 fand auf dem NASCAR-Rundkurs statt – eine Spezialität von Cindric, der auf viel GT3- und Rallycross-Erfahrung zurückgreift. In der ersten Stage hatte der 22-Jährige lange alles im Griff. Jedoch war es NASCAR-Veteran A.J. Allmendinger, der in der letzten Runde von Stage 1 die Nase vorne hatte.

Cindric versuchte alles, um den Kaulig-Piloten vor sich noch einzuholen. In der letzten Schikane klebte der aktuelle Xfinity-Champion seinem Konkurrenten regelrecht am Heck. Im Sprint zur Ziellinie gab es einen Kontakt zwischen den beiden, da Cindric aggressiv zu Werke ging und Allmendinger versuchte, die Linie zu blocken. Während sich Allmendinger ins Grün drehte, gewann Cindric die Stage. Doch zu welchem Preis? Der Ford des 22-Jährigen wurde bei diesem Manöver an der Front beschädigt.

Die zweite Stage ging an den 18-Jährige Ty Gibbs, der für Joe Gibbs Racing in Steuer greift. Der Enkel des Teambesitzer fuhr in Daytona sein ersten Xfinity-Rennen überhaupt und hat bisher auch noch kein Truck-Rennen auf dem Buckel. Da er bisher nur in der ARCA-Serie an den Start gegangen ist, kannte er nicht einmal das Prozedere der schnellen Boxenstopps in den nationalen Ligen, da im Unterbau Competition Cautions für den Service am Auto zum Einsatz kommen.

Gibbs sollte der Protagonist einer irren dritten Stage werden: Der Youngster aus Charlotte, dem Epizentrum von NASCAR, drehte an der Spitze so richtig auf. Cindric führte das Rennen drei Runden vor Schluss an, jedoch musste das Pace-Car ausrücken. Es ging also in die Overtime. Aufgrund verschiedener Strategien wurde das Feld durchgemixt, doch die grüne Flagge blieb nicht lange draußen, da es im Infield zu einem Crash mit mehreren Beteiligten kam.

Credits: James Gilbert/Getty Images

Gibbs übernahm beim zweiten Overtime-Versuch die Führung, während es weiter hinten im Feld erneut krachte. Gibbs war zuvor in Turn 1 ins Gras gekommen, schaffte es mit seiner Interpretation des “Pass in the Grass” dennoch an die Konkurrenz vorbei. Trotz des Chaos im Mittelfeld hatte NASCAR wohl genug, weshalb das Rennen fortgesetzt wurde. Gibbs überstand auch die letzte Runde und kam vor Cindric und Daniel Hemric ins Ziel.

Die Sensation war perfekt: Gibbs, der Enkel des Teambesitzers Joe Gibbs, gewann das erste Xfinity-Rennen, das er in seinem Leben bestritten hat. Dementsprechend emotional ging es in der Victory Lane zu. Beim Interview kullerten bei Gibbs die Tränen und der 18-Jährige bekam kaum ein Wort heraus. Eines ist sicher: Der Youngster wird in seinen 14 weiteren Xfinity-Rennen in der Saison 2021 immer wieder im Fokus stehen.

NASCAR Camping World Truck Series (von: Simon Mones)

Die Offseason ist überstanden, das heißt, dass die Motoren nicht nur in den beiden Top-Ligen der NASCAR wieder heulten, sondern auch in der NASCAR Camping World Truck Series. Beim Auftaktsieg von Ben Rhodes ging es gleich gut los!

Beim Saisonauftakt auf dem Daytona International Speedway krachte es mehrmals heftig. So auch kurz vor Rennende als sich Chandler Smith drehte und in der Folge einen Massencrash auslöste. Folglich ging das Rennen nach einer längeren Gelbphase in die Verlängerung.

Doch auch die Overtime ging nicht unfallfrei über die Runden. Auf den letzten Metern krachte es erneut. Rhodes – der das Feld in die Overtime geführt hatte – ging außen am führenden Jordan Anderson vorbei und sicherte sich den ersten Saisonsieg. Für sein Team ThorSport war es der erste Sieg nach der Rückkehr von Ford zu Toyota.

„Das ist so besonders – der größte Sieg meiner Karriere“, jubelt Rhodes, nach dem Rennen. „Ich kann das gar nicht glauben. Als Fahrer wirst du immer gefragt, was deine größte Leistung ist … das ist sie. Das ist sie zweifelsohne. Es ist der Ort, an dem man sein möchte. Ich kann es gar nicht fassen.“ Anderson wurde zum zweiten Mal in Folge in Daytona Zweiter.

Credits: James Gilbert/Getty Images

Auch das Rennen auf dem Rundkurs des Daytona International Speedway dürfte dem ThorSport-Piloten gefallen haben. Denn: Rhodes sicherte sich erneut in der Overtime den Sieg. Dieses Mal brauchte es allerdings drei Anläufe, um einen Sieger zu ermitteln. Auch im letzten Versuch kam es erneut zu einer Gelbphase, weil ein Truck liegen blieb. Der ThorSport-Pilot verteidigte seine Führung aber bis ins Ziel.

Rhodes ist zudem erst der dritte Pilot, dem es gelang die ersten beiden Rennen der NASCAR Truck Series zu gewinnen. „Es ist unglaublich – ich kann es nicht in Worte fassen“, sagt Rhodes. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, das ist so cool. Ich muss mich einfach bei meinem Team bedanken. ThorSport Racing hat mir einen Truck gegeben, der sich gut fährt und wir waren schnell. Ich bin einfach überglücklich und weiß nicht, was ich sagen soll. Ich war die ganze Woche auf Wolke sieben und ich weiß nicht, was darüber liegt.“ Der fünfte Karrieresieg von Rhodes war zudem auch der 200. Erfolg für Toyota in der Truck Series.

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