So verhalf Pete Fink Philipp Lietz zu seinem Venray-Doppelsieg 2015

So verhalf Pete Fink Philipp Lietz zu seinem Venray-Doppelsieg 2015
Credits: Michael Großgarten / Leadlap.de

Philipp Lietz gewann im Jahr 2015 beide Rennen auf dem Raceway Venray – Ein gewisser Pete Fink hatte dabei seine Finger im Spiel 

Die NASCAR Whelen Euro Series (NWES) gastierte in der Saison 2015 für die Runden drei und vier auf dem 0,5-Meilen-Short-Track im niederländischen Ysselsteyn. Der Raceway Venray gilt als schnellstes Halbmeilen-Oval in Europa und bot der EuroNASCAR damals ein würdiges Zuhause auf dem Oval. Mitten drin: der Österreicher Philipp Lietz, der eines seiner besten NASCAR-Rennwochenenden überhaupt erleben sollte. 

Lietz startete damals für GDL Racing in der Startnummer 67 und war sowohl in der ELITE-1- (heute EuroNASCAR PRO) und ELITE-2-Meisterschaft (heute EuroNASCAR 2) dabei. Sein Fokus richtete sich aber auf die zweite EuroNASCAR-Meisterschaft. Nach vielversprechenden Freien Trainings und einer Pole-Position im Qualifying hatte Lietz das 60 Runden lange Rennen auf dem 25-Grad-Banking von Venray vor sich. 

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Da der Österreicher keine Erfahrung auf dem Oval hatte, war er für jeden Tipp dankbar – und da kam NASCAR-Kommentator Pete Fink ins Spiel. In seinem Buch “Das Phänomen NASCAR 3” beschreibt der Münchner, der erstmals in Venray zu Gast war, die Situation wie folgt: “Gab es in Sachen Abstimmung noch etwas zu tun? ‘Ich würde gar nichts ändern’, sagte ich zu ihm. ‘Lass am besten alles so wie es ist. Du bist mit Abstand der Schnellste’” Insbesondere Kurve 4 meisterte Lietz besser als die Konkurrenz, die sichtlich Probleme hatte.

Rennstrategie gemeinsam ausgeklügelt

Die Pole-Position war der gerechte Lohn für die Leistung des Österreichers, der jetzt aber noch an der Rennstrategie feilen musste. Laut Fink hatte sich zu diesem Zeitpunkt eine “Art Grundvertrauen” zwischen den beiden gebildet, weil Lietz schon nach dem Training zum Münchner kam und er ihn sogar als Spotter haben wollte. Lietz fragte den NASCAR-Kommentator, ob er “oben oder unten” starten sollte, denn der Polesitter durfte sich beim Start die Linie aussuchen. 

“In Venray ist das immer die äußere Linie”, schreibt Fink, der sofort erkannt hat, dass die äußere Fahrbahn auf dem Short-Track die Ideallinie bildet. “‘Um Gottes Willen, bleib bloß oben’, sagte ich ihm. ‘Beim Start bleibst du oben und bei jedem einzelnen Restart auch. Ansonsten bitte nichts ändern. Es sind 60 Runden, es gibt keine Boxenstopps. Wenn du immer schön auf der oberen Linie bleibst, dann kann dich unten herum keiner knacken.’” 

Credits: Michael Großgarten / Leadlap.de

Kleine Anekdote: ‘Leadlap.de’-Fotograf Michael Großgarten beobachtete die ganze Szene und lauschte dem Gespräch zwischen Fink und Lietz. Er erinnert sich: “Ich weiß noch ganz genau, wie Pete Philipp immer wieder sagte, dass er oben bleiben soll. Die beiden philosophierten über die Strategie und es hat letztlich funktioniert! Philipp hatte aber noch weitere Unterstützung: Erich Glavitza, der als Stuntdouble bei Bond-Filmen und im Streifen Le Mans zum Einsatz kam. Florian Renauer hat Pete übrigens auch um einen Tipp gebeten.” 

Gesagt, getan: Lietz befolgte die Anweisung von Fink und übernahm beim Start gleich die Führung. Obwohl Gianmarco Ercoli hinter dem Österreicher mächtig Druck machte, kam der Italiener nicht an Lietz vorbei. Es krachte mehrmals und deshalb gab es die erwarteten Restarts, die Lietz auf der äußeren Linie alle meisterte. Auch kurz vor Schluss, als Gabriela Prado ihr Auto in die Mauer buxierte. 

Der erste Sieg auf dem Oval 

Dieses Mal war es der Franzose Thomas Ferrando, der mächtig Druck machte, doch Lietz blieb eiskalt und sicherte sich seinen ersten Sieg auf dem Raceway Venray. “Ja hoppla! Mit einem Schlag war ich kein beobachtender Journalist mehr. Plötzlich war ich Crewchief oder Chef-Stratege”, erinnert sich Fink, der eigentlich vorzeitig abreisen wollte, da er bis München rund 700 Kilometer Strecke vor sich hatte und am Sonntag ein NASCAR-Rennen kommentieren musste. 

Credits: Michael Großgarten / Leadlap.de

Er wollte die Anlage sogar vorzeitig verlassen, als Lietz zum Start-Ziel-Sieg donnerte. “Da gewinnt dein österreichischer Rennfahrerkumpel sein erstes Oval-Rennen und du machst dich auf den Heimweg”, so Fink in seinem Buch. “Sowas geht ja gar nicht.” Fink stapfte zurück auf die Anlage, um direkt in die Victory-Lane abzubiegen. “Dann das absolut größte: der Schluck aus der Schampus-Pulle!”, freut sich Fink, der zum Glück noch einmal umgekehrt ist und so bisher das einzige Mal in seinem Leben den Sieger-Champagner probieren durfte. 

Während sich der Münchner, der sich das Rennen auf der Stehplatztribüne in den Kurven 3 und 4 – also in der Nähe des Ausgangs – angeschaut hatte, nun doch auf den Heimweg machte, hatte Lietz nicht viel Zeit zum Feiern, denn am Folgetag stand bereits das zweite ELITE-2-Rennen auf dem Short-Track auf dem Programm. Eine ausgiebige Party durfte es also nicht geben, da das Team am nächsten Tag fit sein musste, um die Leistung am Samstag zu bestätigen. Und das schaffte die Mannschaft mit Bravour! 

Zweiter Sieg in Folge 

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Lietz startete auch am Sonntag von der Pole-Position und – wie sollte es auch anders sein – von der äußeren Linie ins 60 Runden lange Rennen. Ercoli versuchte auf der inneren Linie, die Führung zu übernehmen und so fuhren die beiden bis Kurve 4 nebeneinander. Lietz setzte sich nach einem kleinen Kontakt zwischen Ercoli und Guillaume Deflandre an der Spitze ab.

Der Österreicher hatte gleich zwei bis drei Autolängen Vorsprung und drehte so komfortabel seine Runden an der Spitze des ELITE-2-Feldes. Während es im Mittelfeld mächtig zur Sache ging, erlebte Lietz auf Platz eins ein einsames Rennen, da Ercoli und Renauer um Platz zwei kämpften und so den Anschluss an den Österreicher verloren. 

Credits: Michael Großgarten / Leadlap.de

Francesca Linossi krachte gegen Rennende noch einmal in die Mauer und triggerte so eine Gelbphase, aber dennoch fuhr Lietz nach einem guten Restart ohne große Schwierigkeiten zu seinem zweiten Ovalsieg auf dem Raceway Venray in den Niederlanden. Er besiegte Ferrando und Ercoli, die die Top 3 komplettierten. Für Lietz – aber auch Fink – war es sicher ein Rennwochenende, das beide so schnell nicht vergessen werden. 

Für Lietz war es aber nicht der erste Sieg in der offiziellen europäischen NASCAR-Serie. Im Jahr 2014 hatte der Österreicher bereits im italienischen Magione auf dem Rundkurs seinen Debütsieg in der ELITE-2-Meisterschaft gefeiert. Nach der Saison war für Lietz dann Schluss in der EuroNASCAR: Mit drei Siegen – zwei davon auf dem Raceway Venray – verließ er die Serie, um sich anderen Projekten zu widmen.

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André Wiegold