Regenkrimi in Brands Hatch: Ghirelli und Doubek trotzen dem Chaos
Vittorio Ghirelli and Martin Doubek gewannen die NASCAR-Euro-Rennen in Brands Hatch – in beiden Rennen spielte der Regen eine wichtige Rolle
Das legendäre American SpeedFest in Brands Hatch machte seinem Namen am Samstag alle Ehre. Bei tückischen, wechselhaften Bedingungen auf dem traditionsreichen Indy-Circuit in Großbritannien feierte Vittorio Ghirelli nach Strafen gegen die Konkurrenz seinen dritten Saisonsieg in der V8GP-Topklasse.
Nur wenig später krönte Martin Doubek in der OPEN-Division sein emotionales Comeback nach einer Verletzung mit einem dominanten Start-Ziel-Sieg im Regen. Die zahlreichen britischen Fans an der Strecke erlebten zwei packende Läufe voller Unberechenbarkeit, Kollisionen und taktischer Meisterleistungen.
Der aktuelle Champion Vittorio Ghirelli behielt im ersten Rennen des Wochenendes einen kühlen Kopf, obwohl er die Ziellinie im #24 Chevrolet Camaro von PK Carsport ursprünglich gar nicht als Erster überquert hatte. Gianmarco Ercoli sah die Zielflagge nach 29 Runden zuerst, wurde jedoch von der Rennleitung mit Strafen belegt.
Das Rennen musste nach einer Serie von Unfällen in der Schlussphase vorzeitig unter der roten Flagge beendet werden, woraufhin das Reglement griff: Gewertet wurde der Stand der letzten komplettierten Runde unter grüner Flagge, bereinigt um die Sanktionen der Sünder – darunter gehörte auch Jack Davidson.
„Es war verdammt hart von Startplatz fünf aus“, atmete Ghirelli in der Victory Lane tief durch. „Ich hatte einen guten Start und habe das ganze Rennen über Druck gemacht, um Ercoli einzuholen. Ich klebte an seiner Stoßstange, aber meine Reifen wurden zu heiß, also habe ich mich bis zum Ende durchgebissen. Wir hatten etwas Glück mit der Strafe, aber was für ein Rennen, was für tückische Bedingungen!“
„Es ist wunderschön, all die Fans hier in Großbritannien zu haben. Es ist unser dritter Saisonsieg und wir müssen diesen Schwung mitnehmen. Die Meisterschaft ist sehr lang, man kann durch dumme Aktionen viele Punkte verlieren. Wenn ich die Pace nicht habe, riskiere ich nichts. Man muss einfach konstant Ergebnisse abliefern. Der Vater meines Crew Chiefs Carlo ist krank, daher ist dieser Sieg für ihn!“
Hinter dem Italiener nutzte Ex-Formel-1-Pilot Nelson Piquet Jr. seine ganze Routine. Der Brasilianer pflügte bei schwieriger Sicht von Startplatz zehn bis auf den zweiten Rang nach vorne. Der Schotte Jack Davidson durfte trotz seiner Strafe als Dritter jubeln und sicherte sich zudem den Sieg in der Junior Trophy vor den heimischen Fans.
Pechvogel des Rennens war Paul Jouffreau im #3 Ford Mustang: Nach einer unverschuldeten Kollision in der ersten Runde kämpfte er sich bärenstark zurück in die Top 10, ehe ihn ein Reifenschaden endgültig stoppte. Trostpflaster für den Franzosen ist die schnellste Rennrunde, die ihm die Pole-Position für den Sonntag einbringt.

In der OPEN-Division schlug anschließend die Stunde von Martin Doubek. Nach einem schweren Unfall beim Saisonauftakt in Spanien, der eine Operation nach sich zog, kämpfte sich der Tscheche zurück an die Spitze. Von Startplatz vier aus nutzte er in Runde 17 einen Dreher des Führenden Raphael Lessard am berüchtigten Paddock Hill Bend eiskalt aus. Danach kontrollierte der Hendriks-Motorsport-Pilot das Geschehen an der Spitze souverän bis ins Ziel.
„Endlich bin ich zurück in der Victory-Lane!“, jubelte Doubek nach seinem 18. Karrieresieg in der OPEN-Klasse sichtlich erleichtert. „Ich bin glücklich, es ist genau wie vergangenes Jahr in Brands Hatch, als ich das letzte OPEN-Rennen gewonnen habe. Ich bin ein bisschen müde, weil ich heute zwei Rennen bestritten habe. Jetzt geht es aufs Podium und danach wird sich ausgelernt!“
Hinter dem dominanten Doubek betrieb Lessard Schadensbegrenzung auf höchstem Niveau. Trotz seines Drehers stürmte der Kanadier nach einer späten Gelbphase in den letzten Umläufen wieder an Gil Linster und Sandro Tavartkiladze vorbei auf den zweiten Platz. Linster belohnte sich mit Rang drei und bleibt das Sinnbild für Konstanz in dieser Saison.
Ein echtes Ausrufezeichen setzte zudem Robin Bleekemolen bei ihrem Debüt: Die Enkelin von Rennsport-Legende Michael Bleekemolen sprang kurzfristig ein, fuhr auf Anhieb in die Top 10 und sicherte sich den Sieg in der Lady Trophy.
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.






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