Chaos-Rennen in Washington: Kirkwood deklassiert das Feld, Palou crasht in die Mauer

Chaos-Rennen in Washington: Kirkwood deklassiert das Feld, Palou crasht in die Mauer
Foto: Penske Entertainment: Chris Owens

Kyle Kirkwood hat die IndyCar-Premiere in Washington, D.C. mit einer Machtdemonstration dominiert und seinen zweiten Saisonsieg eingefahren – Weil Spitzenreiter Alex Palou nach einer beispiellosen Pannenserie in der Mauer landete, schmilzt dessen komfortables Punktepolster im Titelkampf etwas zusammen

Kyle Kirkwood hat am Sonntag die IndyCar-Premiere in Washington, D.C. gewonnen und mit einer dominanten Vorstellung über 128 Führungsrunden das 250-Meilen-Rennen für sich entschieden. Der Andretti-Pilot setzte sich auf dem 2,7 Kilometer langen Stadtkurs vor Christian Lundgaard durch und hielt damit die Meisterschaft offen, da Tabellenführer Alex Palou nach einer Kette von Fehlern und einem Crash vorzeitig ausschied.

Kirkwood fackelte nicht lange und schnappte sich bereits in der zweiten Kurve des ersten Umlaufs die Führung von Pole-Setter Palou. Von diesem Moment an kontrollierte der US-Amerikaner das Renngeschehen nach Belieben und fuhr zwischenzeitlich einen Vorsprung von über 16 Sekunden auf seine Verfolger heraus, ehe späte Gelbphasen das Feld wieder zusammenstauchten.

„Man kann es gar nicht in Worte fassen – das ist unglaublich“, rang Kirkwood nach seinem sechsten Karriereerfolg auf einem Stadtkurs mit den Emotionen. „Ich habe fast Tränen in den Augen. Das ist ein großer Moment für uns und ein riesiger Moment für Amerika hier bei diesem 250-Meilen-Rennen.“

Der Andretti-Fahrer machte nach dem Rennen keinen Hehl aus seiner klaren Überlegenheit auf dem winkligen Kurs rund um die Regierungsbauten. „Es hat sich verdammt gut angefühlt, da draußen so zu dominieren, ich will nicht lügen“, stellte Kirkwood klar. „Wenn man schon nicht das Indy 500 gewinnen kann, ist das hier definitiv der Ort, an dem man siegen will. Ich weiß nicht, ob wir jemals wieder die Chance dazu bekommen – ich hoffe es. Das war großartig, ein wahr gewordener Traum.“

Hinter dem dominanten Sieger rettete Lundgaard im Arrow-McLaren-Chevrolet den zweiten Platz über die Ziellinie, fand über die Distanz aber keine echte Antwort auf Kirkwoods Tempo. „Ich finde, es passt einfach, dass hier ein Amerikaner gewonnen hat, oder?“, zollte Lundgaard Respekt. „Wir haben unser Bestes gegeben.“ Andretti Global rundete das starke Teamergebnis mit Will Power auf Rang drei und Marcus Ericsson auf Platz vier ab, gefolgt von Kyffin Simpson im Ganassi-Honda.

Das sportliche Drama des Tages spielte sich derweil bei Palou ab, der einen rabenschwarzen Sonntag erwischte. Beim ersten Boxenstopp in Runde 39 traf der Meisterschaftsführer einen herumliegenden Reifen in der Box und handelte sich eine Durchfahrtsstrafe ein, die ihn weit ins Hinterfeld auf Platz 21 zurückwarf.

Wenig später verpatzte seine Crew den nächsten Stopp mit einem losen Rad, ehe in Runde 123 nach einer früheren Wandberührung die Spurstange brach und Palou in Kurve 4 in den Barrieren strandete. „Das tut weh, Mann“, gab ein sichtlich bedienter Palou zu Protokoll. „Ich wollte diesen Sieg unbedingt. Es schmerzt extrem, dass wir so einen schlechten Tag erwischt haben, aber so etwas passiert eben.“

Durch den Nuller schrumpfte Palous ehemals komfortabler Vorsprung in der Gesamtwertung von 133 auf 91 Zähler zusammen. Historisch gesehen spricht bei drei verbleibenden Saisonrennen dennoch alles für den Spanier, denn die größte jemals aufgeholte Lücke betrug 59 Punkte durch Dario Franchitti im Jahr 2010. Mick Schumacher fuhr ein starkes Rennen und sicherte sich auf Platz elf sein bisher bestes Ergebnis auf einer Rundstrecke. Zudem war der Deutsche vor Graham Rahal und Louis Foster der beste Rahal-Letterman-Lanigan-Pilot im Feld.

Auf der Strecke ließ Kirkwood auch in der hektischen Schlussphase nichts mehr anbrennen. Zwar attackierte Scott McLaughlin den Führenden nach einem Restart in Runde 129 mutig in Kurve 1, überbremste jedoch völlig und schlug in die Reifenstapel ein. Kirkwood kontrollierte auch den finalen Restart in Umlauf 134 souverän und zog unbedrängt dem Sieg entgegen.

Lange Zeit zum Durchatmen bleibt den Teams nicht, denn die Meisterschaft biegt direkt auf die Zielgerade ein. Als nächstes steht auf der traditionsreichen Milwaukee Mile ein Doubleheader auf dem Oval an, bevor der Titelkampf beim Finale auf dem Laguna Seca Raceway entschieden wird.

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Freiberuflicher Kommentator & Journalist | Zur Webseite |  + posts

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.

André Wiegold

Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.