Von ganz hinten aufs Podium: Will Power trotzt IndyCar-Chaos in Markham
in heftiger Trainingscrash, Motorwechsel und Startplatz ganz hinten: Die Vorzeichen für Will Power standen in Markham denkbar schlecht – Warum der Andretti-Pilot trotz teaminternem Schreckmoment am Ende über Rang drei jubelte, verriet er nach der Zieldurchfahrt
Will Power hat beim IndyCar-Rennen in Markham für eine faustdicke Überraschung gesorgt: Nach einem verpatzten Qualifying und strategischen Motorenwechsel stürmte der zweimalige IndyCar-Champion vom letzten Startplatz aus bis auf das Podium. Auf dem neuen, anspruchsvollen Stadtkurs pilotierte der Andretti-Pilot seinen Boliden auf Rang drei – direkt hinter Teamkollege Marcus Ericsson und Dale-Coyne-Pilot Romain Grosjean.
Power selbst konnte sein Glück nach dem turbulenten Rennverlauf kaum fassen. „Ich weiß gar nicht, wie wir da vorne gelandet sind“, gab der Australier nach dem Rennen offen zu. „Wir hatten bei den Restarts ein extrem starkes Auto und haben dort jede Menge Positionen gutgemacht. Am Ende ging es schlicht darum, die richtigen strategischen Entscheidungen zu treffen.“
Dabei bewies sein Stratege Ron Ruzewski am Kommandostand einmal mehr ein goldenes Händchen, wenngleich Power vor dem Start alles andere als optimistisch war. „Ron fragte mich vor dem Rennen: ‚Welchen Bonus kriege ich eigentlich, wenn du aufs Podium fährst?‘ Ich hielt das für unmöglich und sagte nur: ‚Was immer du willst‘“, schilderte Power das Gespräch. „Sein Ziel waren die Top 3, und ich meinte: ‚Keine Chance, Kumpel.‘ Aber er hat wieder einmal einen fantastischen Job am Funk abgeliefert.“
Gegen Rennende geriet die Aufholjagd zu einer echten Zerreißprobe für das Material. „Am Schluss musste man unheimlich viele Manöver setzen, um nach vorne zu kommen, und das ist uns geglückt“, erklärte Power. „Meine Reifen waren am Ende ziemlich hinüber, es war ein reines Überleben. Aber die Konkurrenz musste Sprit sparen, was uns letztlich auf Platz drei gespült hat.“
Neun Runden vor Schluss stockte dem Team jedoch der Atem, als Andretti-Kollege Marcus Ericsson bei der Jagd auf Champion Alex Palou mit stehenden Rädern in die enge Haarnadelkurve rutschte und Power fast abräumte. „Es war ein Missverständnis, denn das Team funkte mir, dass Marcus verdammt schnell herankommt“, beschrieb Power die brenzlige Situation. „Ich sagte: ‚Okay, sagt ihm, ich lasse ihn auf der Gegengeraden vorbei, damit ich an Palou dranbleiben kann.‘“
Die Botschaft erreichte den Schweden im Cockpit allerdings nicht mehr rechtzeitig. „Ich habe nicht einmal in den Rückspiegel geschaut, sondern einfach eingelenkt“, gab Power zu Protokoll. „In diesem Moment war ich natürlich sauer, weil wir den Anschluss an Palou verloren haben. Aber Marcus zog einfach davon, weil er die Pace hatte, während meine Reifen stark abbauten – das Ergebnis ging unterm Strich völlig in Ordnung.“
Für den IndyCar-Veteranen war das Resultat vor allem der verdiente Lohn für seine Mechaniker. Nach einem heftigen Einschlag im Training und dem Dreher im Qualifying schufteten die Schrauber die halbe Nacht durch, um neue Triebwerke in die Autos von Power und Kyle Kirkwood einzubauen. „Viele von den Jungs haben letzte Nacht gerade einmal zwei Stunden geschlafen“, lobte Power die Moral seiner Mannschaft. „Sie haben nach dem zweiten Training das Auto repariert und nachts noch den Motor getauscht. Ich wollte unbedingt ein starkes Ergebnis für sie einfahren – da blendet man alles aus und beißt sich durch.“
Große Begeisterung äußerte der Routinier zudem über die Streckenführung des 3,5 Kilometer langen Kurses in Markham. „Das ist eine verdammt coole Strecke – das habe ich schon nach den ersten Runden gesagt, einfach episch“, schwärmte Power. „Der Kurs verlangt maximales Engagement, man muss jede Sekunde hellwach sein. Eine absolut verrückte Strecke – aber im besten Sinne positiv verrückt.“
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Autor(en)
Andrés Faszination für den Motorsport begann in seiner Kindheit, als er regelmäßig Ovalrennen in den Niederlanden besuchte und abends NASCAR- sowie IndyCar-Rennen im TV verfolgte. Während seines Ökonomiestudiums begann er 2014 als Hobby-Redakteur über den Rennsport zu schreiben und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Heute ist er NASCAR-Kommentator bei Sportdigital1+ und begleitet IndyCar & IMSA live auf Motorvision+ – dazu kommen viele weitere Rennserien im Highlights-Format. Als Redakteur schreibt er für Motorsport-Total, Motorsport.com und Formel1.de und ist zudem Reporter, Kommentator und Redakteur im Mediateam der NASCAR Euro Series.





