Emotionale Hommage in Bristol: Ty Gibbs ehrt Kyle Busch im ikonischen M&M’s-Toyota
Auf dem Bristol Motor Speedway ehrte die NASCAR-Szene den verstorbenen Kyle Busch – Ty Gibbs fuhr mit einer besonderen Lackierung und die Fans schwenkten besondere Tücher
500 Runden lang kann der Bristol Motor Speedway gnadenlos sein. Normalerweise ist das „Last Great Colosseum“ ein Hexenkessel aus engem Racing, hartem Kontakt und ohrenbetäubender Lautstärke. Doch in Runde 18 rückte das Renngeschehen für einen Moment in den Hintergrund: Tausende gelbe „Rowdy“-Tücher, bedruckt mit Kyle Buschs Unterschrift, gingen auf den Tribünen in die Höhe.
Es war der bewegende Tribut der Fans an den im Mai verstorbenen NASCAR-Piloten. Busch hatte Bristol geprägt wie nur wenige Fahrer vor ihm, als kompromissloser Racer, mehrfacher Champion, Publikumsliebling für die einen und Reizfigur für die anderen. Gerade diese Mischung aus Begeisterung, Reibung und Respekt machte ihn für viele zum unvergesslichen Rowdy.

Die Rückkehr der Farben: Ein Toyota im Zeichen der Erinnerung
Während die gelben Tücher über den Rängen wehten, drehte Ty Gibbs auf dem Betonoval seine Runden. Sein Toyota Camry trug die Startnummer 54, doch die Farben erzählten eine Geschichte aus einer anderen Ära: M&M’s kehrte extra für dieses eine Rennen als Sponsor in die NASCAR zurück.
Die Folierung der 54 griff dabei nicht nur die ikonische M&M’s-Optik auf. Sie zeigte auch Bilder aus Buschs erfolgreicher Zeit mit der Marke bei Joe Gibbs Racing. Damit wurde aus dem Auto weit mehr als ein klassisches Throwback-Design: Es war ein rollendes Erinnerungsstück an eine der prägendsten Partnerschaften der modernen NASCAR-Geschichte.
Auch bei der Fahrervorstellung wurde deutlich, dass eine Ehrung im Motorsport nicht immer nur leise und andächtig sein muss. Brad Keselowski griff ein berühmtes Zitat aus der Vergangenheit auf: Einst hatte er Kyle Busch in Bristol nach einem hitzigen Duell als „Arsch“ (an ass) bezeichnet. Mit einem Augenzwinkern erklärte er diesmal: „Heute Abend ist Ty Gibbs ein Arsch.“ Die Zeile sorgte für Lacher und passte gerade deshalb so perfekt zu Busch, weil dessen Karriere stets auch von Rivalitäten, Provokationen und markanten Momenten lebte.

Emotionale Worte von Samantha Busch: „Kein Rowdy ohne euch“
Den emotionalen Mittelpunkt des Abends bildete jedoch Samantha Busch. Gemeinsam mit den Kindern Brexton und Lennix trat sie vor dem Start in der Boxengasse vor die Fans und erinnerte daran, welche immense Bedeutung Bristol für ihren Mann gehabt hatte.
„Bristol war für Kyle immer etwas ganz Besonderes“, betonte Samantha Busch. „Er liebte es, unter Flutlicht zu fahren, er liebte die Energie dieses Ortes und vor allem liebte er euch – die Fans.“ Der Sport habe ihre Familie über 20 Jahre lang begleitet. In dieser Zeit seien die Kinder groß geworden und viele der wichtigsten gemeinsamen Erinnerungen entstanden.

Besonders eindringlich war ihr Dank an die NASCAR-Gemeinschaft. Die Fans hätten Kyles Siege gefeiert, ihn an schweren Tagen unterstützt und ihn – auch das gehörte dazu – gelegentlich ausgebuht. Doch all das sei Teil dieser einzigartigen Verbindung gewesen. „Ob ihr ihn nun als Kyle, den Candy Man, Rowdy oder einfach als euren Lieblingsfahrer kanntet: Es gab keinen Rowdy ohne euch“, erklärte sie ergriffen. Seit seinem Tod habe die Racing-Community sie, Brexton und Lennix mit großer Wärme aufgenommen.
Samantha Busch richtete den Blick aber auch bewusst über nackte Erfolge und Meisterschaften hinaus. Kyles Vermächtnis lebe in den Fahrern weiter, die er inspiriert habe, in den Fans, mit denen er verbunden gewesen sei, und vor allem in seiner Rolle als Ehemann und Vater. „Als die M&M’s-Farben wieder unter dem Flutlicht von Bristol zu sehen waren, hat es sich angefühlt, als sei ein Teil von ihm noch da.“
Bristol als unangefochtene Hochburg von Kyle Busch
Dass die Ehrung ausgerechnet in Bristol stattfand, war kein Zufall. Auf dem Halbmeilen-Oval in Tennessee schrieb Kyle Busch einige der beeindruckendsten Kapitel seiner Karriere. Serienübergreifend gewann er dort 23 Rennen und führte mehr als 5.000 Runden lang das Feld an.
Zweimal gelang ihm in Bristol der historische Sweep über alle drei nationalen NASCAR-Serien: Sowohl 2010 als auch 2017 gewann Busch an nur einem Wochenende die Truck Series, die Xfinity Series und die Cup Series. Zudem holte er 2022 auf genau diesem Oval seinen letzten Sieg als Fahrer für Joe Gibbs Racing.
Ty Gibbs fährt für die Erinnerung
Dass Gibbs die M&M’s-Farben trug, verlieh der Hommage eine weitere, tiefgründige Ebene. Die Startnummer 54 steht ebenfalls für Joe Gibbs Racing – jenes Team, mit dem Busch seine größten Erfolge feierte. Da Gibbs in Bristol zudem als Sieger des Frühjahrsrennens antrat, verband die Aktion Buschs ruhmreiche Vergangenheit perfekt mit der sportlichen Gegenwart des Rennstalls.
Hinzu kam die persönliche Nähe zur Familie Busch. Gibbs hatte Brexton Busch nach dem Tod seines Vaters intensiv unterstützt, Samantha Busch beschrieb ihn in diesem Zusammenhang als eine Art großen Bruder für ihren Sohn. Damit erhielt die Wahl des Fahrers eine Bedeutung, die weit über Teamzugehörigkeit und Lackierungsdesign hinausging.
Und die Erinnerung fuhr nicht nur mit, sie kämpfte auch um den Sieg. Gibbs führte das Feld 120 Runden lang an und lag lange auf Kurs in Richtung Victory Lane, ehe er das Rennen schließlich auf einem starken fünften Rang beendete. Für ihn selbst war es ein unvergessliches Wochenende: „Es hat unglaublich viel Spaß gemacht“, schwärmte Gibbs nach dem Rennen. „Das Auto war einfach ein Traum zu fahren. Es war mir eine große Ehre, den M&M’s-Camry zu pilotieren, und das ist etwas, das ich niemals vergessen werde. Es ist nur schade, dass wir den Sieg verpasst haben.“
Das Endresultat war an diesem Abend jedoch zweitrangig. Wichtiger war das Bild, das sich in die Köpfe der Zuschauer einbrannte: Der gelbe M&M’s-Toyota fuhr wieder in Bristol an der Spitze – dort, wo Kyle Busch ihn so oft hingebracht hatte. Gibbs versuchte dabei nicht, eine Lücke zu füllen. Er half vielmehr, die Erinnerung an den Ausnahmefahrer lebendig zu halten, der diese Farben und diese Strecke über Jahre geprägt hatte.

Kyle Larson plant weitere Hommage in Las Vegas
Diese Folierung in Bristol war jedoch nicht die letzte Ehrung für Kyle Busch. Auf Buschs Heimatstrecke in Las Vegas wird Kyle Larson im Herbst ein Auto mit ähnlicher historischer Bedeutung pilotieren. Der Hendrick-Motorsports-Pilot wird in einem Design antreten, das an Buschs vierten und letzten Cup-Sieg für das Team im Oktober 2007 auf dem Bristol Motor Speedway (damals in der Startnummer 5) erinnert.
„Es war mir wichtig, eine Hommage an Kyle Busch zu fahren, weil wir dieselbe Startnummer hatten und ich ihn sehr bewundert habe“, erklärte Larson. „Die großartigen Zweikämpfe, die wir hatten, und später dann zu sehen, wie er Brexton coachte und seinen Sohn anleitete, als wir selbst Kinder bekamen – das ist etwas, das ich mir für meine eigenen Kinder zum Vorbild nehme. Er ist schlichtweg der beste Fahrer, mit dem ich jemals in Stock-Cars fahren durfte. Es wird für mein Team und mich etwas ganz Besonderes sein, Kyle Busch in diesem Herbst in Las Vegas zu ehren.“
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Autor(en)
Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.
Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.










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