NASCAR-Esskalation in Bristol: Ryan Blaney nach Prügelei mit Carson Hocevar einsichtig

NASCAR-Esskalation in Bristol: Ryan Blaney nach Prügelei mit Carson Hocevar einsichtig
Foto: NASCAR Media / David Jensen/Getty Images

Ryan Blaney zeigte sich nach der körperlichen Auseinandersetzung mit Carson Hocevar in Bristol einsichtig – Der Penske-Pilot erklärte am Montag gegenüber Denny Hamlin im Podcast Actions Detrimental seine Sicht der Dinge – Der Geschäftsführer der NASCAR Steve O’Donnell gab bereits bekannt dass es keine Folgen für beide Piloten geben wird

Nachdem Carson Hocevar und Ryan Blaney ihre Unstimmigkeiten in der Boxengasse von Bristol mit einer körperlichen Auseinandersetzung bereinigt haben, hat sich Blaney nun erstmals ausführlich zu Wort gemeldet. Im Podcast Actions Detrimental von Denny Hamlin schilderte der 32-jährige Penske-Pilot seine Sicht der Dinge und zeigte sich dabei erstaunlich selbstkritisch.

Auslöser für den Eklat war ein Zwischenfall auf der Strecke, der für Blaney in einem frühen Ausfall endete. Dennoch gestand er ein, dass der Crash eher ein klassischer Rennunfall als ein eindeutiger Fehler von Hocevar war.

„Ich wollte die innere Linie verteidigen“, erinnerte sich Blaney. „Er wollte ebenfalls nach innen und war ein kleines bisschen zu spät dran. Keiner von uns wollte nachgeben. Ich wollte nach unten, er wollte dorthin, und am Ende wurde ich umgedreht. Daher sehe ich die Schuld bei beiden Parteien. Ich denke nicht, dass er zu 100 Prozent schuld ist, und ich bin es auch nicht. Es waren einfach zwei Jungs, die in Bristol um die Ideallinie gekämpft haben.“

Bemerkenswert ist Blaneys eigene Analyse seiner Gefühlslage, die nach dem Unfall völlig untypisch verlief. „Es war das genaue Gegenteil von meinem üblichen Verhalten. Wenn etwas passiert, lasse ich normalerweise sofort Dampf ab und beruhige mich dann sehr schnell. Samstagabend war seltsam, weil ich anfangs gar nicht ausgeflippt bin. Ich habe nur versucht, mein Auto wieder zu starten.“

Erst als das Auto abgeschleppt werden musste, begann die Wut zu brodeln. Blaney vermutet, dass sich in den vergangenen Wochen zu viel Frust aufgestaut hatte: Eine gebrochene Bremsscheibe in Gateway, eine unglückliche Strafe in Führung liegend und ein massiver Punkteverlust zu Beginn der Playoffs. 

Das Resultat in Bristol: Platz 32, ein Absturz auf Rang acht in der Gesamtwertung und nun 52 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Kyle Larson. „Man denkt sich einfach: Was kann im Moment eigentlich noch schiefgehen?“, so der Cup-Champion von 2023.

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Der Weg zur Spire-Box: „Ich muss das alleine regeln“

Nach dem Zwischenfall hatte Blaney zwar Zeit, sich zu beruhigen, erzählte aber niemandem aus seinem Team von seinem Vorhaben, die Box des Spire-Chevrolets mit der Startnummer 77 aufzusuchen. Es war ihm wichtig, seine Crew aus dem Streit herauszuhalten.

„Wenn man selbst die Konfrontation sucht, hat man normalerweise seine Leute dabei. Aber für mich war klar: Ich laufe da nicht mit sechs meiner Jungs rüber. Ich muss das alleine regeln. Das ist für mich eine Art ungeschriebenes Gesetz“, betonte Blaney. 

Er habe ursprünglich nicht einmal vorgehabt, handgreiflich zu werden: „Mein einziger Plan war eigentlich, ein ernstes Wörtchen mit Carson zu reden. Ich wollte ihn nur packen, ihn anschreien und ihm meinen Unmut zeigen.“

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Der Schlagabtausch und späte Reue

Doch die Situation eskalierte schnell. Blaney stieß Hocevar aggressiv gegen die Brust, woraufhin dieser sich wehrte. „Das hat er völlig zu Recht getan“, gab Blaney zu. „Er hat mir eine ziemlich gute Rechte verpasst. Ja, er hat mich gut erwischt, und mir ist einfach die Kappe vom Kopf geflogen. In dem Moment dachte ich mir: Okay, jetzt sollte ich wohl das Feuer erwidern.“

Bevor Blaney jedoch ausholen konnte, griff der NASCAR-Sicherheitschef Alan Taylor ein. Während die Crewmitglieder von Spire Motorsports näher kamen und Hocevar sich für einen zweiten Schlag bereit machte, fühlte sich Blaney für einen Moment handlungsunfähig. 

„In meinem Kopf dachte ich: Okay, ich stecke das jetzt einfach ein, schreie ihn weiter an und starre ihn an, während ich diesen zweiten rechten Haken kassiere. Und er traf mich genau an derselben Stelle am Jochbein.“

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Besonders kurios: Blaney versuchte anschließend noch einmal, sich durch die schlichtenden Personen zu drängen, um wieder ins Getümmel zu gelangen. Er schubste ein Crewmitglied in Richtung Hocevar und verfehlte mit einem linken Haken nur knapp. Mit etwas Abstand betrachtet der Penske-Pilot sein Verhalten jedoch äußerst kritisch und sorgt sich um seine Vorbildfunktion für junge Fans.

„Es gibt Dinge, die ich bereue. Ich versuche, ein gutes Vorbild für die Kinder zu sein, die zuschauen. Das bin eigentlich nicht ich“, gestand Blaney. „Mann, ich wünschte einfach, ich hätte das nicht getan. Und ich bin ehrlich: Ich bin rübergegangen und habe den Arsch versohlt bekommen, ganz klar. Ich habe eine saftige Kombination kassiert und wurde gut erwischt. Ich wollte doch nur meinen Unmut zeigen.“

NASCARs Urteil: Leidenschaft statt Strafen

Aus sportlicher Sicht ist der Vorfall offiziell abgehakt. Wie NASCAR-Geschäftsführer Steve O’Donnell im Podcast Happy Hour von Kevin Harvick am Montag bestätigte, wird es für keinen der beiden Fahrer Strafen geben.

Damit bleibt NASCAR seiner Linie treu, Emotionen zuzulassen, solange keine Autos als Waffen missbraucht werden und sich die Boxencrews zurückhalten. „Wir werden Schlägereien zwar nicht ermutigen, aber was wir fördern wollen, ist Leidenschaft“, stellte O’Donnell klar. „Wenn die Fahrer ihre Angelegenheiten unter sich klären wollen, wunderbar. Wenn aber die Crews anfangen, sich einzumischen, dann haben wir ein Problem. Da wurde es in der Vergangenheit zu gefährlich.“

O’Donnell betonte zudem, dass ihm derartige Konfrontationen von Angesicht zu Angesicht lieber seien als Revanchefouls bei über 300 km/h: „Nutzt das Auto nicht als Waffe. Wir kennen die Vorfälle aus der Vergangenheit, wie zwischen Brad Keselowski und Carl Edwards in Talladega. Solche Dinge wollen wir nicht sehen.“

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Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws.

Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.

Erik Resch

Erik ist als Redakteur und Podcaster bei Leadlap.de auf den US-amerikanischen Motorsport spezialisiert. Sein redaktioneller Schwerpunkt liegt auf der differenzierten Berichterstattung über die NASCAR, die IndyCar-Series und die World of Outlaws. Seinen Einstieg in den Rennsport fand er ursprünglich durch das ADAC GT Masters und regelmäßige Besuche am Sachsenring. Auf diesem Fundament baute er auf. Bevor er sich dem Journalismus zuwandte, kommentierte er im Simracing-Bereich für Virtual Racing und die Abgefahren Community. Heute verbindet er diese praktische Medienerfahrung mit seinem Fachwissen, um die US-Rennszene für das deutschsprachige Publikum aufzubereiten.