NASCAR Whelen Euro Series

Dritter Titel: Alon Day krönt sich zum NWES-Champion 2020

NASCAR Whelen Euro Series / Stephane Azemard

Alon Day hat sich auf dem Circuit Ricardo Tormo im spanischen Valencia den NWES-Titel 2020 gesichert – Der Israeli hat bereits zum dritten Mal die Meisterschaft gewonnen 

In einem dramatischen Saisonfinale in Valencia schrieb Alon Day (PK Carsport) EuroNASCAR-Geschichte: Der Israeli aus Ashdod zog mit seinem dritten Titel mit Rekordhalter Ander Vilarino gleich. Außerdem ist er nun mit 24 Rennsiegen der erfolgreichste Fahrer in der Geschichte der NASCAR Whelen Euro Series (NWES). Dabei fing das Rennwochenende für den 29-Jährigen eher durchwachsen an, also war es keineswegs einfach für Day, den Titel nach Hause zu bringen. 

Day startete im ersten Rennen der EuroNASCAR-PRO-Meisterschaft von der Pole-Position, doch bereits kurz nach dem Start kam es zu einer Berührung mit Gianmarco Ercoli (CAAL Racing), der ebenfalls noch Chancen auf den Titel hatte. Diese Berührung brachte Day eine Durchfahrtsstrafe ein, die ihn weit zurückwarf. 

Credits: NASCAR Whelen Euro Series / Stephane Azemard

Stienes Longin (PK Carsport) übernahm anschließend vor Loris Hezemans (Hendriks Motorsport) die führung. Auch der Titelverteidiger hatte noch Chancen auf den Gesamtsieg, hätte aber eine Menge Glück gebraucht, um das Wunder wahr zu machen. Longin wurde vom Fehlerteufel heimgesucht und so musste er sein Fahrzeug in Führung liegend auf der Start-und-Zielgerade mit technischen Problemen ausrollen lassen. 

Der große Gewinner dieses Startgetümmels war der “Danish Giant” Lasse Sörensen (DF1 Racing). Nach einem kleinen Ausritt in Runde zwei kämpfte sich Sörensen wieder zurück in Richtung Spitze. Er kassierte zunächst Lucas Lasserre (Mishumotors) und schob sich so immer weiter nach vorne. 

Olivier Hart zeigte im Ford Mustang von Hendriks Motorsport ein beeindruckendes Debüt und lieferte sich packende Kämpfe mit seinen Konkurrenten. Hart war wegen seines späten Einstiegs in die Serie jedoch ein nicht-gewerteter Fahrer und sammelte daher keine Punkte in der Meisterschaft. 

Sörensen rückte immer näher an Hezemans heran und es folgte der wohl sehenswerteste Zweikampf des Jahres. Die beiden fuhren sechs Kurven lang Tür an Tür und am Ende war es Sörensen, der das Duell für sich entschied und Hezemans davonfuhr. Die Plätze eins bis drei waren somit bezogen: Sörensen meldete sich mit seinem Sieg eindrücklich im Titelrennen zurück, Zweiter wurde Hezemans vor Lasserre. 

Ercoli holte sich am Ende noch den fünften Platz hinter Marc Goossens (CAAL Racing), Day kämpfte sich nach seiner Durchfahrtsstrafe bis auf Platz sechs nach vorne und sicherte sich mit der schnellsten Rennrunde auch die Pole-Position für das nächste Rennen.

Alon Day schlägt zurück 

Credits: NASCAR Whelen Euro Series / Stephane Azemard

Day startete von der Pole-Position, jedoch war es sein Teamkollege Longin, der das Feld nach den ersten Kurven anführte. Über elf Runden dauerte der Zweikampf der beiden PK-Carsport-Fahrer, der jederzeit fair, aber hart ausgetragen wurde. Dann schob sich Day am Belgier vorbei und überquerte letztlich die Ziellinie mit einem Vorsprung von knapp 1,3 Sekunden auf Platz eins. 

Mit seinem 23. Rennsieg war Day nach dem Rennen alleiniger Tabellenführer in der Liste mit dem meisten Rennsiegen, vor Ander Vilarino, der an diesem Wochenende am Steuer des Chevrolet Camaros mit der Nummer 48 (DF1 Racing / Marko Stipp Motorsport) saß, nachdem er die bisherige Saison aufgrund der Coronapandemie ausgelassen hatte. Der Spanier hatte jedoch mit technischen Problemen zu kämpfen und wurde mit zwei Runden Rückstand auf Platz 19 gewertet. 

Sörensen erreichte das Ziel als Sechster. Vor ihm landeten Nicolo Rocca (DF1 Racing) und Ercoli, Platz zwei sicherte sich Hezemans aus den Niederlanden. Zu diesem Zeitpunkt lag Day in der Tabelle 14 Punkte vor Sörensen, doch auch Ercoli und Hezemans hatten durch die doppelte Punktevergabe in den beiden Finalrennen noch Chancen auf den Gesamtsieg. 

Day baut Vorsprung aus

Credits: NASCAR Whelen Euro Series / Stephane Azemard

Die 24 war die Zahl des ersten Finalrennens auf dem Circuit Ricardo Tormo in Valencia: Day holte im Fahrzeug mit der Startnummer 24 seinen 24. Karrieresieg und baute den Vorsprung auf Verfolger Sörensen auf 24 Punkte aus. 

Wieder war es Day, der von der Pole-Position aus ins Rennen ging und beim Start nichts anbrennen ließ. Sein Teamkollege Longin, der neben Day gestartet war, wurde jedoch in eine Kollision verwickelt, die das Safety-Car auf das Programm rief, damit Longins Fahrzeug sicher geborgen werden konnte. 

Auch den Restart entschied Day für sich, er wurde aber zunächst von Hezemans unter Druck gesetzt. Technische Probleme am Ford Mustang mit der Nummer 50 sorgten jedoch dafür, dass Hezemans immer weiter zurückfiel und am Ende nur auf Rang zwölf ins Ziel kam. 

Fahrer des Rennens war jedoch Sörensen, der sich von Startplatz elf auf den zweiten Rang nach vorne schob und sich in seiner Aufholjagd einen sehenswerten Zweikampf mit Hart lieferte. Damit wahrte der dänische Hüne seine Chance auf den Titel. Besonders bemerkenswert: Sörensen ist amtierender EuroNASCAR-2-Champion und hat als erster „Aufsteiger“ in die PRO-Klasse im ersten Jahr ein Rennen gewonnen und gleichzeitig seine Chancen auf den Gesamtsieg in der höchsten europäischen NASCAR-Kategorie gewahrt.

Sehenswert war auch die Aufholjagd von Lasserre: Das EuroNASCAR-Urgestein startete von Platz 15 und schob sich bis auf Rang drei nach vorne. 

Unbeeindruckt von den Geschehnissen hinter sich, begann Day damit, sein Material für das letzte Rennen zu schonen, um möglichst gut im Kampf um die EuroNASCAR-Krone aufgestellt zu sein. So fuhr er einem ungefährdeten Sieg entgegen. Sein zweiter Sieg in Folge war gleichzeitig auch sein 24. Karriereerfolg insgesamt. 

Day sichert sich seinen dritten Titel in der EuroNASCAR-PRO-Serie

Credits: NASCAR Whelen Euro Series / Stephane Azemard

Das letzte Rennen der wegen der Coronapandemie durcheinander gewürfelten Saison 2020 stand auf dem Programm und abermals war es Day, der von der Pole-Position aus startete. 

Seine Führung verteidigte er vor Hezemans, doch schon in der dritten Runde musste das Safety-Car auf die Strecke kommen, da Ercoli und Mauro Trione (beide CAAL-Racing) in einen Unfall verwickelt waren. Ercolis Hoffnungen auf den Titel waren damit geplatzt. 

Nach dem Restart übernahm Hezemans die Führung vor Day, der von Sörensen heftig unter Druck gesetzt wurde. Auch der Däne zog an Day vorbei, der seinerseits nichts riskierte, was seinen Titelgewinn gefährden würde. Der Israeli blieb geduldig hinter Sörensen und fuhr unbeeindruckt seine Pace. Von hinten näherte sich Rocca in Diensten von DF1 Racing. 

Day, der durch seinen komfortablen Vorsprung im Championat nicht zum Siegen verurteilt war, fuhr clever und wehrte sich auch nicht gegen Rocca. Wohlwissend, dass ihm ein vierter Platz für den Titel reichen würde, startete Day keine risikoreichen Aktionen. Sein Fokus lag nicht auf dem Rennsieg sondern auf der Meisterschaft. 

Titelverteidiger Hezemans wurde am Ende einer schwierigen Saison noch einmal mit einem Rennsieg belohnt. Hinter ihm kamen nach einem heißen Duell Sörensen und Rocca ins Ziel, doch der große Gewinner hieß Day auf Platz vier – der es sich nicht nehmen ließ, in bester NASCAR-Manier mit ein paar Donuts das restliche Gummi auf seinen Reifen wegzuradieren. 

Day, der nun gleich viele Titel auf seinem Konto hat wie Ander Vilarino zeigte sich überglücklich: “Ich habe keine Worte”, sagt der neue Champion. “2020 war ein hartes Jahr für mich, weil ich Israel hinter mir gelassen habe, um in Belgien in der Nähe der PK-Carsport-Basis zu leben. Dieses Engagement war genug, um dieses Jahr den Titel zu holen. Es war so eine harte Zeit, weil ich wegen des Lockdowns alleine gelebt habe – physisch und mental. Dieses Wochenende war eines der anstrengendsten in meinem Leben. Wir haben es geschafft! Ich danke dem ganzen Teams und ich bin ein echt glücklicher Junge. Jetzt geht’s endlich nach Hause!”

Doch nicht nur Day hatte Grund zum Feiern: Zweiter im Championat und Gewinner der Junior-Trophy wurde Sörensen vor Ercoli und Justin Kunz (DF1 Racing). Sörensen ist damit nach Longin der zweite Fahrer in der NWES-Geschichte, der nach seinem Meisterschaftssieg in der EuroNASCAR 2 eine Trophy in der EuroNASCAR-PRO-Meisterschaft geholt hat.

Sieger in der Challenger Trophy wurde Davide Dallara (Not Only Motorsport). Das Bemerkenswerte daran: Ursprünglich sollte Dallara in der EuroNASCAR-2-Meisterschaft an den Start gehen, bedingt durch teaminterne Änderungen, wurde er aber in die höchste Liga befördert. Damit ging eine Saison zu Ende, die aufgrund der Pandemielage erst verspätet gestartet werden konnte und auch im Laufe des Jahres umgestaltet werden musste.

Der Autor / Die Autoren

Frank Reipen
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