NASCAR Whelen Euro Series

Vittorio Ghirelli gewinnt die EuroNASCAR-2-Meisterschaft 2020

NASCAR Whelen Euro Series / Bart Dehaese

Hendriks-Fahrer Vittorio Ghirelli hat sich am Circuit Ricardo Tormo im spanischen Valencia zum Champion gekrönt – Die Meisterschaftsentscheidung fiel erst im letzten Saisonrennen

Dramatischer hätte das Saisonfinale der NASCAR Whelen Euro Series (NWES) im spanischen Valencia nicht sein können: Nach seinen Siegen am Freitag schien Vittorio Ghirelli (Hendriks Motorsport) schon auf der Meisterschaftszielgeraden angekommen zu sein, doch technische Probleme warfen den Italiener am Samstag zurück. Damit war sein Teamkollege und EuroNASCAR-Rookie Tobias Dauenhauern wieder voll im Titelkampf dabei. Die Entscheidung fiel deshalb erst im letzten Rennen am Sonntag. 

Im ersten Rennen des Wochenendes am Freitag startete Ghirelli von der Pole-Position. In der Meisterschaft hatte er einen Vorsprung von 13 Punkten auf seinen Verfolger und Teamkollegen Dauenhauer. 

Die Fahrzeuge standen auf Slicks in der Startaufstellung, als ein kleiner Regenschauer für eine leicht feuchte Oberfläche sorgte. Obwohl der Schauer sehr schnell vorüberzog und die Sonne wieder herauskam, fiel in den Kurven eins und zwei noch immer leichter Regen, was die Anfangsphase für die Fahrer sehr schwierig machte. 

Ghirelli gewann den Start vor Martin Doubek (Hendriks Motorsport) und zog an der Spitze davon. Giovanni Trione (CAAL Racing) steckte jedoch nach wenigen Kurven in der ersten Runde im Kies fest. Auch Simon Pilate (Feed Vict Racing) stand im Abseits, weshalb das Safety-Car ausrücken musste.

Während der Safety-Car-Phase begann es wieder leicht zu regnen. Beim Restart verteidigte Ghirelli seine Führung, Doubek übte aber großen Druck auf den Führenden auf. Ghirelli parierte jedoch alle Angriffe und sicherte sich so den Sieg vor Doubek und Nicholas Risitano (Solaris Motorsport. Dauenhauer kam als Vierter ins Ziel und hielt somit seine Chancen in der Meisterschaft aufrecht. 

Ghirelli siegt unter gelber Flagge im zweiten Rennen

Credits: NASCAR Whelen Euro Series / Bart Dehaese

Da Ghirelli im ersten Rennen die schnellste Rennrunde gefahren hatte, ging der Italiener von der Pole-Position aus in den zweiten Lauf. Den ersten Platz im Grid münzte er gleich in die Führung um. Schnell zog der Rennfahrer aus Fasano an der Spitze davon, doch hinter dem Italiener wurde hart gekämpft. 

Julia Landauer (PK Carsport) zeigte eine sehenswerte Vorstellungen. Die US-Amerikanerin lieferte sich gleich mehrere Tür-an-Tür-Duelle, die ihr letztlich den fünften Platz einbrachten. 

Ghirellis härtester Konkurrent aus  dem ersten Rennen, Doubek, kam bereits am Start von der Strecke ab. Durch einen Kampf mit Risitano verlor er weitere Positionen, jedoch kämpfte sich der Tscheche auf den vierten Platz zurück. 

Risitano, der zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch Chancen auf die Meisterschaft hatte, war in zahlreiche Zweikämpfe verwickelt. Ein zweiter Vorfall zwang den Solaris-Piloten dazu, sein Fahrzeug nach neun Runden abzustellen. Der Titel geriet dadurch in weite Ferne.

Zum Rennende hin wurde es dramatisch: Eric Quintal (Mishumotors) knallte in die Streckenbegrenzung und auch Mirco Schultis (Mishumotors) steckte nach einem Kontakt mit Dylan Derdaele (CAAL Racing) im Kiesbett fest, weshalb das Safety-Car ausrücken musste. 

Ghirelli siegte unter Gelb, während Titelkandidat Dauenhauer sich aus allen Kämpfen heraushielt und einen sicheren dritten Platz hinter Ghirelli und Alessandro Brigatti (Feed Vict Racing) nach Hause brachte. Damit blieb der Deutsche in aussichtsreicher Position im Titelkampf. Für Ghirelli war es der vierte Sieg in Folge, womit er seine Titelambitionen deutlich unterstrich.

Ausfall für Ghirelli im ersten Finalrennen am Samstag

Credits: NASCAR Whelen Euro Series / Bart Dehaese

Dauenhauer fuhr im Qualifying für das EuroNASCAR-Finale die schnellste Runde und sicherte sich so die Pole-Position für das erste Rennen. Der Deutsche erwischte einen perfekten Start und übernahm die Führung, die er bis zum Rennende nicht mehr hergab. 

Ghirelli lag zunächst auf Position zwei und versuchte, seinen Teamkollegen einzuholen. Ein technischer Defekt bremste ihn dann aber aus. So musste der bis dato Meisterschaftsführende in Runde 13 sein Fahrzeug abstellen. Der Italiener wurde aber noch auf Platz 16 gewertet.

In Anbetracht der Tatsache, dass in den beiden Finalrennen doppelte Punkte vergeben wurden, war das natürlich ein herber Rückschlag für Ghirelli.  Durch seinen souveränen Sieg übernahm Dauenhauer nun die Tabellenführung mit nur acht Punkten Vorsprung auf seinen italienischen Teamkollegen. 

Zweiter wurde Vladimiros Tziortzis (Alex Caffi Motorsport / Race Art Technology) vor einer stark fahrenden Julia Landauer. Für beide war es der erste Besuch auf dem Podium in der Saison 2020. Für Spannung im zweiten Finallauf am Sonntag war also gesorgt. denn sowohl für Dauenhauer als auch für Ghirelli hieß es nun „Hopp oder Top“.

Ghirelli holt sich die Krone im zweiten Finalrennen

Credits: NASCAR Whelen Euro Series / Bart Dehaese

Die Ausgangslage für das zweite Finalrennen, das am Sonntag ausgetragen wurde, war klar: Dauenhauer oder Ghirelli – wer als Erster ins Ziel kommt, ist Meister. Dabei hatte der Deutsche die bessere Ausgangsposition, denn er startete wie schon am Vortag von der Pole-Position, während Ghirelli das Rennen von Platz 9 aus aufnehmen musste. So gesehen musste Dauenhauer also  seinen Teamkollegen hinter sich halten – doch das war leichter gesagt, als getan. 

Dauenhauer entschied zwar den Start für sich, aber Ghirelli fuhr buchstäblich mit dem Messer zwischen den Zähnen und lag in Runde zwei bereits auf dem zweiten Platz.  Bedingt durch eine Gelbphase musste der Italiener sich vor dem Restart zwar auf Rang vier wieder einsortieren, aber seine Aufholjagd ging nach dem Restart munter weiter. 

Zunächst kämpfte er sich an Risitano, wenig später auch an dem stark fahrenden Tziortzis vorbei und schob sich damit auf den zweiten Platz. Daraufhin begab er sich auf die Verfolgung seines Teamkollegen Dauenhauer.

Doch dieser kämpfte mit stumpfen Waffen, denn der Fehlerteufel, der am Vortag Ghirelli heimsuchte, machte nun Dauenhauer das Leben schwer. So zog Ghirelli gegen Rennhalbzeit an seinem Teamkollegen vorbei. Auch Risitano und Tziortzis überholten den Deutschen und übernahmen die Ränge zwei und drei. Ghirelli indes war nicht nur der strahlende Sieger des Rennens sondern auch der Gewinner der Meisterschaft. 

“Es war ein schwieriges Rennen, aber ich hatte nur die Option, hier zu gewinnen”, sagt der neue EuroNASCAR-2-Champion in der Victory Lane. “Das Auto war perfekt, dafür danke ich meinem Team Hendriks Motorsport. Nach dem dramatischen Motorschaden gestern musste ich von Platz neun aus ins Rennen starten und das Wunder schaffen. Ich gratuliere meinen Teamkollegen Tobias, der ein wirklich schneller Rennfahrer ist. Er hat mich in diesem Jahr ans Limit gebracht. Jetzt möchte ich einfach nur noch diesen Meisterschaftssieg feiern.”

Kleines Trostpflaster für Dauenhauer: Er holte den Gesamtsieg in der Rookie-Trophy vor Tziortzis und Landauer. Die schnelle Amerikanerin sicherte sich damit auch den Sieg in der Lady Trophy vor Arianna Casoli, die ihrerseits erstmals die Legend Trophy für Fahrer über 40 Jahre für sich entschied. Neben Casoli komplettierten Yevgen Sokolovskiy (Marko Stipp Motorsport) und Eric Quintal (Mishumotors) das Gesamt-Podium in der Legend Trophy.

Der Autor / Die Autoren

Frank Reipen
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