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IndyCar-Newsflash: Helio Castroneves erringt vierten Indy-500-Sieg

Joe Skibinski

Helio Castroneves siegt zum vierten Mal auf dem “Brickyard” – Scott Dixon verliert nach desolatem Ergebnis die Tabellenführung – Aeroscreen verhindert Tragödie bei Zwischenfall zwischen Graham Rahal und Conor Daly 

Helio Castroneves (Meyer Shank Racing) erzielte bei der 105. Auflage des Indy 500 sensationell den Sieg vor Alex Palou (Chip Ganassi Racing) und Simon Pagenaud (Team Penske). Nach 2001, 2002 und 2009 ist es der vierte Sieg für Castroneves beim wichtigsten IndyCar-Rennen des Jahres. Damit zog der “Spiderman” – der seinem Namen alle Ehre machte und zur Feier seines Siegs den Streckenzaun hoch kletterte –  in der ewigen Rekordliste an Indy-500-Siegen gleich mit A.J.Foyt, Al Unser Sr. und Rick Mears.

Krönt sich Castroneves im nächsten Jahr zum Indy-500-Rekordsieger? – Foto: Joe Skibinski

Castroneves und Palou lieferten sich nach ihren letzten beiden Boxenstopps – und einem bis dahin eher strategisch geprägten Indy-500 – einen elektrisierenden Kampf um den späteren Sieg. Fans von packendem Oval-Rennsport kamen dank zahlreicher Überholmanöver der Piloten voll auf ihre Kosten. Allein im letzten Viertel des Rennens kam es zu 15 Führungswechseln.

Am Ende siegte mit Castroneves die große Erfahrung des 46-Jährigen, der auf dem letzten Umlauf den finalen Angriff von Youngster Palou clever abwehrte. Nichtsdestotrotz bestätigte der Spanier, der erst seine zweite IndyCar-Saison fährt, mit Platz zwei seine umwerfende Form. Dank der doppelten Punktevergabe beim Indy-500 springt der 24-Jährige an die Spitze des Tableaus der laufenden Saison.

Der Drittplatzierte Pagenaud legte das Comeback des Tages hin. Von Platz 26 aus gestartet, legte der Penske-Pilot eine beeindruckende Aufholjagd hin. Dabei schnappte sich der Indy-500-Sieger vom Jahr 2019 erst auf der letzten Runde den dritten Platz von McLaren-SP-Pilot Pato O’Ward. Texas-Sieger O’Ward freute sich dennoch über Platz vier und ein weiteres Top-5-Ergebnis. Den fünften Platz erzielte ein starker Ed Carpenter (Ed Carpenter Racing).

Dixon erlebt Pleiten, Pech und Pannen und verliert die Meisterschaftsführung

Beim Rennstart verlief für Dixon (#9) noch alles nach Plan – Foto: Dan Boyd

Pole-Setter Scott Dixon (Chip Ganassi Racing) hingegen erlebte ein Indy-500 zum Vergessen. Der bis dato Meisterschaftsführende kam nur auf Platz 17 ins Ziel und verlor ganze 49 Punkte auf Palou. Zwar reichte das Punktepolster des Kiwis, um auf dem zweiten Platz der Gesamtwertung zu bleiben. Jedoch beträgt der Rückstand auf Palou nun 36 Punkte.

Dixon traf zunächst das Pech, seinen ersten Boxenstopp aufgrund einer aggressiven Benzin-Strategie hinausgezögert zu haben. Als in Runde 34 die erste Caution ausgerufen wurde, war der sechsfache IndyCar-Champion, im Gegensatz zu seinen Konkurrenten, noch nicht beim Boxenservice. Aufgrund der geschlossenen Boxengasse, war Dixon zunächst gezwungen weiterzufahren. 

Ein paar Umläufe später jedoch war der letzte Sprit aufgebraucht und Dixon rollte mit leerem Tank in die weiterhin geschlossene Boxengasse. Der Honda-Motor gab aus direkter Folge vorübergehend den Geist auf und wurde nur mit viel Mühe wieder von der Pit-Crew zum Laufen gebracht. Als Dixon nach schier endloser Tätigkeit seiner Crew wieder auf die Strecke fuhr, hatte er beinahe zwei Runden auf die Führenden verloren. Platz 17 im Ziel erscheint unter diesen Umständen beinahe wie ein gutes Ergebnis.

Aeroscreen verhindert Tragödie

Bei der 105. Ausgabe des IndyCar-Klassikers kam es, neben dem spannenden Kampf um den Sieg, auch zu einer echten Schrecksekunde. Conor Daly (Ed Carpenter Racing) erwischte nach Turn 2 das linke Hinterrad des verunfallten Graham Rahal (Rahal Letterman Lanigan Racing). Der Firestone-Pneu wurde beim Treffer von Dalys Nase in Richtung Cockpit geschleudert, bevor dieser an der Schutzkonstruktion abprallte und schließlich auf der Wiese im Infield zum Stehen kam. 

Dank des Aeroscreens blieb Daly unverletzt, Rahal überstand seinen seinen Mauer-Einschlag ebenfalls ohne Blessuren. Daly beendete das Rennen gar auf Platz 13, trotz beschädigter Nase. Der Auslöser für das lose Rad von Rahal war sein vorhergehender Boxenstopp. Der linke Hinterreifen wurde nicht ordnungsgemäß festgeschraubt, weshalb sich dieser bei der Boxenausfahrt löste und das Unheil seinen Lauf nahm.

Nächster Halt der IndyCar-Kolonne: Detroit

Bereits am 12. und 13. Juni steht der nächste Double-Header-Event der IndyCar Series auf dem Programm. Der anspruchsvolle Straßenkurs von Belle Isle kehrt nach einem Jahr Pandemie-bedingter Pause zurück in den Rennkalender. Bereits seit der Saison 2013 wird der Event vor idyllischer Kulisse traditionell als Double Header ausgetragen. 

Vor zwei Jahren fuhren Josef Newgarden (Team Penske) und Dixon auf den Straßen von Detroit in die Victory Lane. In diesem Jahr zählen – nach sechs verschiedenen Siegern aus den ersten sechs Rennen – mindestens eine Handvoll Fahrer zum Favoritenkreis.

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